Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Besteuerung der Juden durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259332-2263991--1051-2264045- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 Kerler: Zur Geschichte der Besteuerung der Juden Grafen, Herren und Städte sieht, des Inhalts: zur Besorgung der Geschäfte des Reiches brauche er eine Beisteuer von der ganzen Judenschaft, und wolle deshalb über die Entrichtung des 3. Pfennigs mit den Juden oder deren Vertretern Juli 13 in Nürnberg durch seine Bevollmächtigten verhandeln lassen (1438 Mai 1)^). An italienische Fürsten sandte er Mai 26 die briefliche Aufforderung, ihre Juden, die ja nicht wie die anderen Juden des Reiches nach Nürnberg kommen können, zu Vereinbarungen mit seinen ein Drittel des Besitzes von ihnen heischenden Sendboten anzuhalten ^). Auf dem Tage zu Nürnberg im Juli 1438 wurde von dem Kämmerer dem Kanzler Kaspar Schlick ein Schriftstück ^) vorgelegt, in welchem ein Jude Nachem (Nacham) zu Wien Steueransätze vorschlägt für die Juden, denen der dritte Pfennig abgenommen werden soll. Neben den offiziellen Akten verdient dasselbe unsere volle Beachtung, da der Verfasser gewiß einen richtigeren Einblick in die Vermögensverhältnisse seiner Volks- und Glaubensgenossen hatte als die Beamten und Vertrauensmänner des Reichsoberhaupts, deren beutegierigen Blicken die Juden ihren Besitz mehr verbargen als zeigten. Zufolge der Taxation Nachems wären der königlichen Kasse 156100 fl. zugeflossen. Er schlägt beispielsweise bei Regensburg den dritten Teil des Vermögens der dort ansässigen Juden auf 4000 fl. an, bei Nürnberg 10000 fl., bei Ulm 2000 fl., Mainz 3000 fl., Frankfurt 1000 fl., Oppenheim 4000 fl., Erfurt 6000 fl. Vergleicht man diese Ansätze mit denjenigen, welche die in den Herrschaftsgebieten geistlicher und weltlicher Fürsten und Grafen angesiedelten Juden betreffen, so ergiebt sich sofort, daß bei den Juden der großen Städte eine viel bedeutendere finanzielle Leistungsfähigkeit vorausgesetzt wird, wenn auch zugegeben werden mag, daß sie ohne Zweifel hier einen stärkeren Prozentsatz der Bevölkerung bildeten als dort. Nach der Schätzung Nachems konnte z. B. von den Juden in Nürnberg ebensoviel erhoben werden als von den Juden des Erzbischofs von Köln 4) noch einmal soviel als von denselben in der Mark Brandenburg, fünfmal soviel als von ihnen im Bistum Bamberg oder in den Gebieten des Landgrafen von Thüringen, zehnmal soviel als von den Juden des Bischofs von Straßburg oder des Herzogs von Berg, zwanzigmal soviel als von denen des Grafen von Hanau. Zu Nürnberg ^) wurde zwischen den Bevollmächtigten König Albrechts, unter welchen der Kanzler Kaspar Schlick die erste Stelle einnahm, und den Vertretern der Juden ein Uebereinkemmen in Betreff einer an den t) Oehr. 1. c. L 55 und 6 57 x. 5—7. — Die Kosten für die Ausfertigung der Briefe s. Bibl. des lit. Ver. 18, 35, für Besorgung derselben an ihre Adressen s. ebd. 40; 41; 44. Vgl. über die Ladung der Juden nach Nürnberg Weucker axx. et in8tr. 337—338 und Spieß archiv. Nebenarbeiten 1, 116. -) Oehr. 1. e. L 55 eox. ekart. eoaev. Unten am Rande steht von zeitgenössischer Hand: NöLIau. Narok^se von Verrer. Dem vou Alautuau^v. vis äri stueks sin enpdoUiev äem disokol' von?as(8aiiv^). s) S. Beilage III. 4) Und doch galt der Kölner Erzbischof als derjenige Fürst, der die meisten und reichsten Juden hatte, vgl. Bibl. des lit. Vereins 18, 57. 5) Ueber den Nürnberger Tag, soweit er die Juden betraf, weiß man sehr wenig. — Ulm schreibt 1439 Juni 10 an König Albrecht II.: nachdem er die Juden