Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Nachträge und Berichtigungen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
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Nachträge und Berichtigungen. 105 Zu S. 330, A. 2. Ueber Bucers Schrift vom I. 1538 findet man Genaueres bei M. Lenz: Briefwechsel Landgraf Philipps mit Bucer, Publikationen aus den Preuß. Staatsarchiven, Bd. V, S. 55 fg. Danach befindet sich vor dem Rathschlag der Theologen noch ein von den Juden selbst übergebener, aber in der Canzlei des Fürsten sormulirier Vorschlag über die Duldung der Juden. Das Gutachten der Theologen sucht der Landgras zu widerlegen 23. Dez. 1538 a. a. O. S. 57 fg. Dieses Schreiben soll von den Juden veröffentlicht worden sein. Bucers Antwort a. a. O. S. 59 fg. ist ein maskirter Rückzug: er will seinen starren antijüdischen Standpunkt nicht opfern, möchte aber seinem Fürsten nicht völlig zuwider sein. An Luther oder Bucer kann man Urbanus Rhegius anreihen. Auch er will die Juden bekehren und die messianischen Stellen des A. T. im Sinne des Christenthums deuten. Er versucht aber mit seinen Schriften practische Resultate zu erzielen und will nicht, wie seine Gesinnungsgenossen, blos die Christen über die Juden aufklären. Darum schrieb er einen hebräischen Brief an die Braunschweiger Judenschast (1535), den er selbst lateinisch übersetzte. Er suchte den Juden darzuthun, daß Jesus der verheißene Messias sei, hatte aber, wie er selbst bekennt, weder bei den Adressaten seines Briefes noch in weiteren Kreisen Erfolg. (Vgl. Uhlhorn a. a. O.) Zu S. 331 fg. Unter den antijüdischen Schriften mag folgende erwähnt werden, die gewiß sehr selten ist (Berl. Kön. Bibl. (Zu 8755. Die Schrift o. O. u. I., etwa 1521). Sie führt den Titel: Ehn schöner dialogus von den vier großen beschwernuß eins jeglichenn Pfarrers nach sag eines sunderlichen verß hernach geschribenn:?e1ix?1ebauus, kelix paroeuia Lud yua Nee NaalQÄQ, ^brakain, 8eiQ Qe^ue vivit Lelias. (Zu den vier hier, nicht im Original gesperrt gedruckten Worten ist erklärungsweise beigefügt: leprosus, «suäaeus, praekeetuZ, NonaeliUL.) Aussetzig oder Malatz. Die vier Wandel thun der Pfarr wee Juncker. 1 Münch.' Gelegentlich werden in der genannten Schrift Aleander und Pfefferkorn erwähnt und verspottet. Außerdem wird das. L 2a ein Jude zu Bamberg, Lazarus, als der eigentliche Urheber des Lernevse seelus bezeichnet. (Vgl. über dasselbe Böcking, Opera Suttevi VII, 309-314 und die daselbst verzeichnete Literatur, aber auch seitdem ist über dieses merkwürdige Vorkommniß viel geschrieben.) Er habe als Hebamme verkleidet, den Berner Predigermönchen „von den kleinen kindlin von irem nabel und hertzen zuwegen gebracht, umb gelt verkaufst". — L 4a werden die Juden als Versucher und Verführer der Christenheit dargestellt, indem sie an Sonn- und Feiertagen, auf Kirchweihen den Christen alles Mögliche verkaufen und Geld vorstrecken; „wo vil Juden seind, da seind vil Dieb".