Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Wie die Frankfurter Juden Karl VII. huldigten
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 5)
- Language
- German
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90 Miscellen. Zeil liegenden Seite eine mit rotem Tuch ausgeschlagene Tribüne errichtet, auf der sich zwei Armstühle und zwei Lehnsessel befanden *). Nachdem nun die Kommissarien den Vorderraum der Tribüne eingenommen hatten, während der Aktuar die Mitte, die Ratsdeputierten den Hinterraum derselben inne hatten, erhob sich der Baron von Seidewitz und hielt, ohne den Hut aufzusetzen, wie der Bericht hervorhebt, eine Ansprache an die Juden, in der er sie ermahnte, „auf das, was ihnen wegen Ablegung dieses schuldigen Eides und Huldigungsfrist vorgelesen und vorgehalten würde, wohl Achtung zu haben und darauf den Eid wirklich jüdischem Gebrauch nach und im allerunterthänigsten Gehorsam abzuschwören." Darauf verlas ihnen der Aktuar folgenden Eid: 7)^ä<mai) Ewiger, allmächtiger Gott, ein Herr über alle Nelaekim (Könige), ein einiger Gott über alle Väter, der du uns die heilige l^kora gegeben hast, ich rufe dich und deinen heiligen Namen ^äonai und deine Allmächtigkeit an, daß du mir helfest bestätigen meinen Eid, den ich jetzo thun soll, und wo ich unrecht oder betrüglich schwören werde, so sei ich beraubt aller Gnaden des ewigen Gottes, und mir werden auferlegt alle die Strafen und Flüche, die Gott den verfluchten Juden auferlegt hat, und mein Seel und Leib haben auch nicht mehr einigen Teil an der Versprechung, die uns Gott gethan hat, und ich soll auch nicht Teil haben an Alexia noch am versprochenen Erdreich des heiligen seeligen Landes. Ich verspreche auch und bezeuge bei dem ewigen Gott ^äonai, daß ich von keinem Juden noch andern Menschen einige Erklärung, Auslegung, Abmachung oder Vergebung dieses meines Eides, so ich jetzo thun werde, begehren, bitten oder aufnehmen will, ^men." Alsdann befragte der Baron von Seidewitz noch einmal die Juden, ob sie bereit wären, den Eid abzulegen. Als sie mit „einem laut ausgeschrieben Ja" anworteten, wurde ihnen die Huldigungsformel vorgelesen. Die Juden hörten sie mit bedecktem Haupt an und sprachen sie, aber ohne die Finger aufzuheben, Wort für Wort nach. Die Formel lautete: „Dem Allerdurchlauchtigsten, großmächtigsten und unüberwindlichsten „Fürsten und Herrn, Herrn Karl VII., erwählten römischen Kaiser, „zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, unserm allergnädigsten rechten „Herrn, huldigen und schwören wir gesamte Judenschaft, getreu und „gehorsam zu sein, Jhro kaiserlichen Majestät Frommen und Beste „zu werben und Schaden zu warnen, auch alles das zu thun, was „gehorsame und getreue Knechte Jhro kaiserlichen Majestät, als ihrem „allergnädigsten rechten Herrn, zu thun schuldig und Pflichtig seien „ohne Gefährde (-ohne Hinterlist) und ohne Arglist, als Gott helfe „und Gott ^äonal. ^men." 2) t) Die Kosten für die Tribüne und ihre Ausstattung mußten die Juden tragen. S. Bürgermeisterbuch äs anno 1742, 5o1. 203 . . . „Als der ältere Bürgermeister referieret, daß die sieben erschienenen Baumeister ersucht hätten, ihnen das erforderliche Behang (-Umhänge), Fessel (-Bänder) und Stühle zu lehnen (-leihen) — ist das Gesuch der Juden abzuschlagen beliebt worden." >) Aehnlich lautete die Huldigungsformel, welche die Bürger (am 15. März) beschwören mußten, nur hieß es hier für „getreue Knechte", getreue Unterthanen und für „als Gott helfe u. f. w. — „so wahr mir Gott helfe."