Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 15)
- Language
- German
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in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen. 43 jenige Schulgeld entrichten, welches bei deren Organisation wird festgesetzt werden. Zu den besonderen jüdischen Schulen aber kann keine Unterstützung erfolgen, sondern diese müssen aus den Beiträgen der Familienväter allein bestritten werden." Wenn man die in den beiden vorgeführten Beispielen erreichten Resultate, wie sie sich in ähnlicher Weise überall wiederholten, mit den von dem G. I. R. in Aussicht genommenen Zielen vergleicht, so ergiebt sich freilich zunächst ein gar sehr in die Augen springendes negatives Ergebnis Es war der Regierung nicht gelungen öffentliche jüdische Elementarschulen deutschen Characters ins Leben zu rufen, wie das Reglement es vorschrieb, die in Aussicht gestellten staatlichen Besoldungen jüdischer Lehrer waren nirgends eingetreten, die Ausübung eines Schulzwangs wurde nicht durchgeführt, und der alte Zustand des jüdischen Privatunterrichts blieb im Wesentlichen bestehen. Sieht man aber genauer zu, so war das Reglement doch nicht wirkungslos gewesen, sondern hatte eine gute Saat für die Zukunft geworfen; denn 1. war die in demselben ertheilte Erlaubniß (IV Z 13k) die Kinder in die christlichen Schulen schicken zu dürfen, fast überall wenigstens von den Vermögenderen benutzt worden, wodurch zum ersten Male Bresche in die specifisch jüdisch-talmudische Ausbildung gelegt wurde. Es wuchs hierdurch ein Geschlecht im modernen Sinne erzogener Männer heran, welches einerseits für den Kampf um die Existenz besser ausgerüstet war und so durch sein Beispiel auf die unteren Schichten mächtig wirken mußte, andererseits aber auch eben durch seine Ausbildung nach und nach in den Gemeinden die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten überkam und so den seiner Erziehung entsprechenden Ansichten weiteren Raum zu schaffen vermochte. 2. War die Frage der Einrichtung 'öffentlicher jüdischer Elementarschulen wenigstens in den größeren Gemeinden überall angeregt worden. Dem intelligenteren Theil war die Nützlichkeit derselben meist zur vollen Klarheit gekommen, nur an dem Fehlen der n'öthigen Geldmittel war die Ausführung meist gescheitert. 3. Durch die in dem G. I. R. ausgesprochene Mißbilligung des Privatunterrichtswesen (Z 13) und die neue sich immer mehr Bahn brechende Strömung für den deutschen Unterricht, mußte nothwendig der Stand der specifisch jüdischen Privatlehrer, der die Basis seiner Existenz bedroht sah, sich vermindern. Der Kampf, welchen die Regierung in der nächsten Periode gegen dieselben ausnahm, war eben darum verhältnißmäßig leicht und kurz, weil die Bekämpften ihn schon von vorn herein verloren gegeben hatten und ihre Reihen sichtlich gelichtet waren.