Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 13)
- Language
- German
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in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen. 41 züglich der Ort sei, wo eine dergleichen Schule, in welcher die jüdische Jugend schon mit mehreren Wissenschaften, als den der religiösen blos unterrichtet werden solle, zu etabliren sei. Aus einer andern Provinz würde kein Lehrer hierher zu ziehen sein, denn es sei anfangs platterdings ein Mann nothwendig, der nicht nur die polnische und deutsche Sprache, sondern auch die hier übliche jüdische Landessprache, welche ein Gemisch von polnisch und deutsch ist, verstehe, und ein dergleichen Subject dürste nirgends anders als in hiesiger Provinz anzutreffen sein. Seine Wissenschaften brauchten anfangs nicht von so großem Umfang zu sein, denn der Jugend fehle es noch an den notwendigsten Kenntnissen, er solle blos gründlich deutsch und polnisch schreiben und lesen und auch rechnen können. Sie bitten darum ihnen selbst die Auswahl zu überlassen, sie würden sich auch bemühen die Fonds aufzubringen. Bei der Erbauung eines Schulhauses hofften sie auf Unterstützung der Regierung und auch auf die Beiträge und die Unterstützung anderer Synagogen, welche ihre Kinder hierher schicken würden. Übrigens ließen schon viele ihre Kinder bei christlichen Lehrern unterrichten, allein es würde nichts nutzen, wenn man eine allgemeine Aufforderung hierzu ergehen ließe, nur ernstere Maßregeln würden hier zum Ziele führen. Vorläufig wollten sie für Lehrerwohnungen und Unterrichtslocale sorgen, ein bis zwei Lehrer würden zunächst genügen, denn der religiöse Unterricht müsse doch immer noch durch separate Hauslehrer geschehen, da kein ordinairer Lehrer das complette Studium des Talmud, woraus sich ihre Religion gründe, verstehe. — Die Regierung ist mit diesem Bescheide nicht zufrieden, sondern verlangt die Vorlegung eines genauen Planes über die Einrichtung einer Schule. Bei einer nochmaligen Vernehmung am 18. März 1799 erklärten indeß die Ältesten, die Gemeinde sei außer Stande ein ansehnliches, für die Schul- und Lehrerwohnungen ausreichendes Gebäude zu errichten. Sie seien bereit, für je 40 Kinder 2 Lehrer anzusetzen, welche im Polnischen, Deutschen, Schreiben, Lesen, Rechnen und Moral unterrichten sollten. Diese Lehrer sollten vor ihrer Anstellung examinirt werden, und ihr Gehalt solle durch Reparation von den Eltern der schulfähigen Kinder ausgebracht werden. Der Unterricht in der Religion solle den Privatlehrern weiter überlassen bleiben, schon deshalb weil sonst die Menge der sich hier aufhaltenden Lehrer ganz ohne Nahrung sei. Es wäre auch schwer Lehrer auszumitteln, welche den weltlichen und religiösen Unterricht zugleich ertheilen könnten. Einige Meldungen von Lehrern seien schon eingegangen, darunter die eines früheren ersten Lehrers an der Wilhelmschule in Breslau. — In Folge dieser Erklärung fragte die Posener Kammer in Berlin an, ob sie bei Einrichtung einer jüdischen Elementarschule in Posen auf Unterstützung nach Laut des Gen.-Jud.-Regl. rechnen könne. Die von der Judenschaft gemachten Vorschläge seien sehr mangelhaft, die Anstalt würde derart eingerichtet nicht lange bestehen. Bei den 2 Lehrern für eine so große Anzahl von Schülern wurden nur die Ärmeren ihre Kinder hinschicken, und gerade diese würden auf die Länge nicht im Stande sein, die Lehrer zu besolden; auch verfehle die Schule den Zweck, wenn sie nur für 80 Kinder eingerichtet werden solle, ebenso bedenklich sei es den Religionsunterricht noch weiter den