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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 1
Article
Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen
Date
1889-01-01
Page
Seite 35 (sequence 7)
Language
German
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in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen. 35 Fonds vorhanden wäre, derselbe von denen Juden selbst erhalten werden, wenn man dieselben hierzu auf irgend eine Art eine Abgabe entrichten ließe, die zwar blos zu diesem BeHufe anzuwenden wäre, von welcher jedoch die Judenschast selbst nicht erfahren müßte, daß blos diese Abgabe zum Besten ihrer Schulanstalten dienen sollte, weil durch diese Bestimmung der gute Eindruck geschwächt werden würde, den die unter dem Namen „auf Kosten des Staates zu errichtenden Anstalten" auf sie machen würden, und dadurch ihr Vertrauen auf die Fürsorge des Staats verringert werden und folglich ihre moralische Besserung langsamer von Statten gehen würde." Der ausführlichste Bericht und die eingehendsten Vorschläge kamen von demjenigen Rathe, welchem die Stadt Posen selbst unterstellt war. Als die zahlreichste aller Gemeinden forderte diese die Aufmerksamkeit ganz besonders und schon darum heraus, weil andere sich nach ihr zu richten pflegten. „So wie es unter jeder Nation rechtschaffene und auch viel schlechtdenkende Menschen giebt, die letzteren durch verwahrloste Erziehung, unterlassene oder nachsichtsvolle Bestrafung bei Übertretung eines Gesetzes oder durch andere Umstände und Zufälle zu diesem verachtungswürdigen Gemüthscharacter gestimmt worden sind: so giebt es auch unter den hiesigen Juden hin und wieder moralisch gute Menschen, aber leider noch mehrere, deren Erziehung verwahrloset ist, die außer ihrem religiösen Gesetze keine Moralität kennen und die sogar den Anordnungen ihrer Obern sich mit dreister Stirne entgegenstellen. Ich habe hiervon mehrere Beispiele erlebt, die mich dann zu einem Gedanken gebracht haben, den ich in der Folge meines gegenwärtigen Berichtes berichten werde. Das angebogene Protocoll erweiset die jetzige Einrichtung des Schulwesens der hiesigen Judenschaft'). Die Aeltesten, welche bei der Vernehmung zugegen waren, sahen als wirklich vernünftige Männer die Nothwendigkeit zur Verbesserung ihrer Schulanstalten ein, sie wünschen eine dazugehörige und planmäßige Anstalt und führen selbst an, daß viele Eltern ihre Kinder aus der Schule halten, um das Schulgeld zu ersparen . . . Die Anlage einer Schule, in welcher außer den theologischen Lehren auch Begriffe von Moralität, Geschäftskunde, den Landessprachen und etwa Schreiben und Rechnen planmäßig gelehret werden muß, ist ein Haupterforderniß zur Bildung dieser Nation. Da die hiesige Gemeinde eben nicht die kleinste ist, so würde die Einrichtung ohnmaßgeblich dahin zu treffen sein: daß jeder Hausvater, er mag Kinder haben oder nicht, kürzer oder länger verheirathet, ohne Unterschied seines Ge- In dem erwähnten Protokoll finden sich folgende Angaben: „Wir haben verschiedene Schulen, in welchen unsere Kinder Unterricht finden. Diejenigen Eltern, die ihr hinreichendes Einkommen haben, bezahlen das Schulgeld, welches für kleine Kinder monatlich 16 Groschen und für erwachsene, die schon mehreren ausgedehnten Unterricht erhalten 2 Thlr. ausmacht, selbst. Es werden auch besondere Lehrer gehalten, die in den Landessprachen Unterricht geben. (?) Für Waisen oder für Kinder armer Leute erfolgt das Schulgeld aus unserer Armenkasse. Wir wünschen wohl mit unseren Abgaben und mit der Synagogenkasse soweit zurückgesetzt und erleichtert zu werden, daß wir einen Fond zur Salarirung einiger Lehrer formiren könnten, die unserer Jugend mehr Ausbildung verschaffen. Wir müßten hierbei bedenken, daß mancher von uns seine Kinder gar nicht zur Schule oder zur Erlernung einer Profession anhält. 3*

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