Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 6)
- Language
- German
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34 A. Warschauer, Die Erziehung der Juden setzung durch die Rabbiner zu prüfen, auch hiernä'chst der Revision desselben und der Juden-Schulältesten unterworfen. Sind bereits an einem Ort Einrichtungen, fo würden diese abzuändern und nach der so revidirten Vorschrift eingerichtet werden müssen; die näheren Verbesserung^- und Einrichtung^ Vorschläge lassen sich nur nach Lage eines jeden speciellen Falles entwerfen, und wird nach geschehener Untersuchung darüber speciell zu berichten sein." Der Landrath von Meseritz meint: „In ihren Schulen müßte die deutsche Sprache eingeführt und dadurch die Juden zu nützlichen Mitgliedern des Staates gebildet werden. Die Judengemeinen würden dazu anzuhalten sein, überall Schulmeister, welche der deutschen Sprache völlig kundig, anzustellen und sie gehörig zu besolden, und um diese Sprache desto schleuniger in Aufnahme zu bringen und selbige ihnen beliebt zu machen, müßte festgesetzt werden, daß kein Bräutigam in der Folge die Concejsion zur Heirath eher erhalten solle, bevor nicht nachgewiesen worden, daß sowohl der Bräutigam als die Braut deutsch schreiben und lesen könne. Es läßt sich sodann leicht voraussehen, daß sobald sie der deutschen Sprache kundig sind, auch mehr Lecture unter ihnen eingeführt, dadurch aber ihr Verstand aufgeklärt und ihre Cultur am leichtesten bewirkt werde." — Der Landrath von Dölzig behandelt besonders eingehend die sehr praktische Frage über die Beschaffung des nothwendigen Lehrermaterials. „Es wäre nothwendig", schreibt er, „daß in hiesiger Provinz jüdische Schulen errichtet würden, in welchen, da die hiesigen Rabbiner wenig aufgeklärter und theils noch verfinsterter sind, als die übrigen Juden, Lehrer aus den alten Provinzen angesetzt und zwar so aufgeklärte als möglich gewählt werden müßten, um vorzüglich wenigstens diejenigen Religions-Vorurtheile auszurotten, welche den Eigenschaften eines nützlichen Bürgers entgegenarbeiten. Diese Lehrer müßten sich bloß daraus einschränken, ihre Schüler wieder zu Lehrern zu erziehen, damit künftig für die ganze Provinz Lehrer genug wären, welches für jetzt schon aus Mangel an jüdischen Gelehrten im Verhältniß der Menge hiesiger Juden wohl nicht zu bewerkstelligen wäre. Mittlerweile müßte die Vermehrung der Juden auf alle mögliche Art unterdrückt werden. Hätte man auf diese Art so viel Lehrer angezogen, um sie in allen Gegenden der Provinz anzusetzen und vielleicht noch einige Lehrerschulen errichten zu können, so wird der Staat bald dahin kommen, denen Juden alle Rechte eines Staatsbürgers einräumen zn können; denn durch diese Lehrer würde die jüdische Religion mit allen übrigen Religionen, welche durch aufgeklärte Lehrer von Vorurtheilen befreit würden, frei von den jetzigen Vorurtheilen und folglich die Nation selbst zu guten und nützlichen Staatsbürgern gebildet werden, die überzeugt werden würden, daß gleiche Rechte mit gleichen Pflichten unzertrennlich sind. Nur auf oben beschriebene Weise scheint mir die Population der Juden hiesiger Provinz nicht nur unschädlich, sondern für die Zukunft vielmehr gleich jeder andern Population Vortheilhaft zu sein, und scheinen sie nur auf diese Art zu rechtschaffenen Menschen und nützlichen Staatsbürgern gebildet werden zu können, deren Abgaben, sobald sie für sie selbst mit angewendet werden, auch drückend zu sein aufhören müßten. — Da nun aber die Schulanstalten, welche nach diesem Vorschlage errichtet werden müßten, zum Theil auf Kosten des Staats errichtet werven sollen, so könnte, wenn hierzu kein