Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 5)
- Language
- German
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in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen. 33 Händen, eine Menge Handwerker aller Art unter ihnen, und im Ganzen genommen der Jude in Südpreußen ein kultivirterer Mensch, als der Bürger in kleinen Städten und der Bauer auf dem platten Lande ist. Schon diese Rücksichten machen eine ganz andere Einrichtung des Judenwesens dort, als in den alten Provinzen eingeführt ist, nothwendig, und ich halte dafür, daß diese Nation der Verbesserung sehr wohl fähig sei, ihre Glieder auch zu nützlichen Staatsbürgern gemacht werden können" — eine Ansicht also, welche der des Broscovius-Bernds'schen Gutachtens im wesentlichen entsprach und den Grundgedanken derselben „Erziehung der Juden zu nützlichen Staatsbürgern" annahm. Im weiteren Verfolg seines Schreibens fragt der Minister den Oberpräsidenten über die Mittel und Wege, durch welche diese Absicht zu erreichen sei und lenkt unter anderm seine Aufmerksamkeit auch auf das Schulwesen, über dessen Verbesserung er ihm Vorschläge machen soll. Die Anfrage des Ministeriums veranlaßte die Posener Kammer über den Zustand des Judenwesens in den einzelnen Kreisen Erkundigunzen einzuziehen und die Land- und Steuerräthe aufzufordern mit Verbesserungsvorschlägen hervorzutreten. Aus das Erziehungswesen wurde auch hierbei ein Hauptnachdruck gelegt. Die einlaufenden Berichte über das Schulwesen der Juden lauteten sehr ungünstig. Manche Landräthe wußten über Erziehungsanstalten der Juden in ihrem Kreise überhaupt nichts mitzutheilen, andere stellten ihre Unzulänglichkeit in grellen Farben dar. Nur ganz ausnahmsweise unterhielt einmal eine Gemeinde einen Lehrer, meist wurden die Funktionen eines solchen von Schächtern oder nur vorübergehend sich aushallenden Talmudschülern besorgt. Selbst in günstigeren Fällen erstreckte sich der Unterricht doch nur auf das Hebräische und die Anfangsgründe des Rechnens; Unterricht im Deutschen oder Polnischen wurde mit Ausnahme von Lissa und Posen nirgends ertheilt. Schulzwang oder ständige von den Gemeinden beaufsichtigte Schulorgarnisationen waren unbekannt, Theilnahme der Judenkinder am Unterricht' der christlichen vollkommen ausgeschlossen. Ueberall wurde die Abstellung und Besserung dieser Verhältnisse als Haupthebel für die Hebung der Juden überhaupt angesehen, aber nur wenige Land- und Steuerräthe, welche mit den Verhältnissen besonders vertraut waren, wagten bestimmte Vorschläge zu machen. Von besonderem Interesse sind die aus Gnesen, Meseritz, Dölzig und Posen eingegangenen Vorschläge, deren wesentlicher Inhalt im Folgenden wiedergegeben werden soll: Der Landrath zu Gnesen faßt allen jüdischen in seinem Kreise ertheilten Unterricht als Privatunterricht auf. „Eigentliche öffentliche Schulen und Erziehungsanstalten existiren bei den Juden, wenigstens dieses Bezirks gar nicht. Das Hauptaugenmerk ist also darauf zu richten, diese erst anzulegen. Und wie? Jede Juden gemeine, sie sei so klein, als sie wolle, muß schuldig und verbunden sein, Lehrer, deren Beschäftigung weiter keine andere als das Erziehungswesen ist, anzunehmen. Die Unterhaltung derselben muß die Judengememe und besonders derjenige Theil derselben, der Familie hat, tragen und aufbringen. Bei 50 Familien wird ein Lehrer erforderlich sein, und so die Anzahl derselben nach Verhältniß steigen. Die Lehrer sind vor ihrer An- Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. III. 3