Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 9)
- Language
- German
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22 Felix Rosenberg, Ueber eine Sammlung deutscher folgt (als vorletztes der Sammlung überhaupt) ein historisches Lied, das bisher noch nicht nachgewiesen ist. 55. Als Anhaltspunkte für die Auffindung der historischen Grundlage dieses Liedes boten sich die darin vorkommenden Personen- und Ortsnamen. Das Ergebnis ist, daß jene Grundlage eine Episode ist, die mit dem kölnischen Kriege in mittelbarem Zusammenhange steht; ich muß daher etwas weiter ausholen. — Gebhard Truchseß von Waldburg, seit 1577 Erzbischof und Kurfürst von Köln, war 1582 offen zum Protestantismus übergetreten; er gedachte, das Erzstist in ein weltliches Besitztum umzuwandeln und seine Würde als Kurfürst beizubehalten. Aber der Papst belegte ihn mit Bann und Absetzung, und das Domcapitel wählte Ernst von Baiern an seine Stelle. Zwischen den beiderseitigen Parteigängern entbrannte nun ein heftiger Krieg, der die Kämpfe der niederländischen Staaten mit Spanien in sich hineinzog; denn der Prinz von Oranien meinte, daß „aus des Churfürsten und der Niederlanden Sachen eine zu machen sei", und der spanische Statthalter, Alexander von Parma, stand auf der Seite Ernsts. In einer entscheidenden Schlacht am 21. März 1584 erleidet die Partei des Truchseß eine Niederlage, und der Exkurfürst mußte nach Holland fliehen. „Gebhard . brachte den niederländischen Staaten weder Land noch Geld mit, wol aber einen wertvollen Rechtstitel, auf Grund dessen deren Kriegsvölker von nun an Jahre lang in die noch nicht ausgesogenen rheinisch-westfälischen Landschaften Streifzüge machen und Beute daraus holen konnten". ^) Das Stift Paderborn hatte im Grunde mit dem Kölnischen Kriege nichts zu thun; das kümmerte jedoch die staatischen Truppenführer sehr wenig: sie brandschatzten seit dem Ende von 1590 auch dort unter dem Verwände, Gebhardts Recht zu vertreten. ^Lwirnm tune erant tempora.^ klagt der Geschichtschreiber,2) „ii^ne mores NanritiL (Moritz von Nassau) ae redellium LatavoruM) ut ea, huae lidehavt) sidi etiam lieere ei-säerent, xene iu 80U3 arinls M8 omne eoustitnerevt". Der Verlauf dieser holländischen Einfälle war fast immer derselbe. Jeder Drost war bei der Kunde von nahender Gefahr ausgefordert, die Eingesessenen seines Amtes gefaßt zu halten, alle waffenfähigen Bauern des betreffenden Bezirks werden aufgeboten. 3) Die Führung übernimmt gewöhnlich ein Edelmann. Den kriegsgeübten Freibeuterabteilungen aber konnten diese Haufen keinen wirksamen Widerstand entgegensetzen, und so mußte sich Theodor von Fürstenberg, der damalige (1585—1618) Fürstbischof von Paderborn, durch Geld Schonung erkaufen. Die hohen Kontributionen konnten aber nicht aufgebracht werden, da Adel und Geistlichkeit den bei weitem größten Teil der Brandschatzungssteuer auf das Landvolk abwälzte/) und da dieses durch die Türkensteuer, den Durchzug kaiserlicher Truppen, die Winterquartiere 5) Lossen Allg. D. B. 8, 468. -) Mich. Strunck, ^nnaliuw I>aäerb0i'ii6N8iuin?ai'8 III. Päd. 1641. sol. S. 617. 2) Wests, „beschreben" oder „Verschreben" ist der Ausdruck dafür; Gerhard v. Kleinsorgen, Tagebuch von Gebhard Truchseß, Münster 1780 S. 236; Pieler, Caspar von Fürstenberg. Nach dessen Tagebüchern. Paderb. 1873. Pieler, a. a. O. S. 170.