Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 4)
- Language
- German
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Volks- und Gesellschastslieder in hebräischen Lettern. 17 17, 5 : 6 : 7 xerä : ^ert : vettert (o. xaarä :c.) 19, 5 : 6 : 7 ävr8t : dor8t : kost 20,1:3 Laien : alteinaalen (frz. 5a111Lr ergab nl. Leleu und kaleu) 23, 5:6:7 ^eäoedt : verkoekt : ^edroelit. 24, 2 : 4 ^ee : uiee (raee neben meäe wie ^eerlavä n. Neäerlanä). Es bleiben aber Fälle übrig, wo die Verderbtheit des Textes tiefer liegt, und wo wir mit einfacher Übertragung ins Nl. nicht auskommen. Dahin gehört „begrast", das 1, 6 im Reime auf kueelit : sleelit und 25,4 auf „koZt" vorkommt; der Sinn ist beide Mal „betrogen". Wahrscheinlich standen an den beiden Stellen zwei verschiedene Wörter, die der Schreiber nicht verstand; er hals sich mit begrasen, das im Nd.die Bedeutung von „sich bereichern", „sich auf unrechtmäßige Weise einen Vorteil suchen" hat. 1,6 ist vielleicht „dere^t" einzusetzen, nl. bereiten - jem. ehrlich behandeln, jem. gut bedienen , hier ironisch; 25,4 reimt westfäl. de^öst (Kelsen - tüchtig hernehmen) 2) auf kost; man muß diese Konjektur aber wohl fallen lassen, da dies Wort mit nd. A03 zusammenhängt, das nl. „Aans" ist. — 2,5:6:7 vermute ich voes' : vroex : koef. — Das Reimwort 5,1 ist mir unverständlich; es ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein Substantiv, das auf — ure ausgeht (wie: eoverturen: seduureu). In Str. 11,1—4 ist wohl eine Umstellung der Worte vorzunehmen, so daß in den Reim kommt oxevl : staan (äe ^aarä äeÄe Aenä oxstaau) : ropen : Haan. 13,4 ist nl. k^avt - Schelm, Windbeutel; dasselbe Wort in eben dieser Bedeutung in allen mittel- und niederrhein. Dialekten. 2) 17,2 liegt ein Mißverständnis des Schreibers vor, das sich aufhellt, wenn wir das nl. Wort für Imbiß „outdLHt" (: yrcht) einsetzen. 18, 7 stand sicherlich im ursprünglichen Text „op äat xas" - augenblicklich. 19,1 ist wieder ein Wort, das der Schreiber nicht verstanden hat, nl. sleter (: deter) - Lumpenkerl ^). Ist 21, 5 vielleicht zu setzen „mautel Aroeu"? — Allerdings kann vieles, das hier für das Nl. in Anspruch genommen ist, auch zugleich nd. sein; aber an manchen Stellen kommt man mit dem Nd. nicht aus, dahin gehört namentlich 17, 2:4 ontich't : Hrch't) nd. Immet. Wir kennen 5 Bearbeitungen dieses Schwankes in der deutschen Litteratur. ^) Ein paar Einzelheiten zeichnen unsere von allen anderen aus. Die Schlauheit des Diebes ist um einen Zug verschärst (11, 6), und die Einfalt des Bauern wird in noch helleres Licht gerückt (19,1—4). Die Angabe des Ortes stimmt nur zu Pauli (zwo meil von Cöln in einem dorff). Wie bei Folz finden wir auch hier die Vereinfachung der Fabel, daß nur der Bauer, nicht auch der Stadtwirt der betrogene ist; und wie in Hans Sachs' Schwank und im Simplicisstmus fehlt hier die Erklärung, weshalb der Dieb die Kuh nicht selbst verkauft. — Mit köstlichem Raffinement des Witzes steigert Grimmelshausen die Komik der Situation und läßt die Kuh von dem Gestohlenen selbst kaufen. 1) Schambach, Wb. der nd. Mundart s. v. 2) vgl. Woeste, Jdioticon der westfäl. Mundart. 2) vgl. die betr. Jdiotica. 4) Oder ist nl. „kleuter" zu setzen? 5) Hans Folz, Von einem kw dieb (K. B. Z)g 5206). — Pauli, Schimpf und Ernst, Straßburg 1533., eä. Oesterley S. 401. — Hans Sachs, Fastnachtspiele eä. Goetze Nr. 25 (a. d. I. 1550). — Hans Sachs, Schwanke eä. Keller IX, 320. — Grimmelshausen, Simplicius Simplicisstmus sä. Keller III, 415. Zeitschrist f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. III. 2