Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Besteuerung der Juden durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II. 9 in welcher die vier Mitglieder derselben erklären, krast königlichen Auftrages, zur Bestreitung der aus der Ausfertigung der Bulle und der Briefe des Kämmerlings und des Königs erwachsenen Kosten eine Steuer auf die Juden in Deutschen Landen auszuschlagen, haben sie jedem Juden und jeder Jüdin, die da eigen Gut haben, die Reichung des 30. Pfennigs auferlegt. Die Besteuerung wurde nun planmäßig betrieben. An der Spitze stand Konrad von Weinsberg; von ihm wurden Steueragenten in die einzelnen Steuerbezirke, in welche zu diesem Zwecke das Reich eingetheilt wurde, mit Vollmachtsbriefen und Mahnschreiben ausgesandt. Er selber ging mit Moses von Konstanz zu den Schwäbischen Städten ^) und nach Meißen, Thüringen und Sachsen; Pfarrer Meinwart von Baldersheim, Joseph Rabbi zu Schlettstadt und Lazarus von Konstanz besuchten die Schweiz, das Elsaß und die Rheinlands); Sifrid von Goßheim, Fhvellin von Giengen und Abraham Jude von Konstanz hatten Bayern und Oesterreich zu bereisen und auch in Ungarn „ihr Heil zu versuchen" ^); dem Steffan von Leuzenbronn und Gottlieb von Konstanz war Franken, vor allem die Stifter Bamberg, Würzburg und Eichstädt zugetheilt; den Johann Stopel und Mans Jude von Herdishein führte ihr Auftrag nach Nordwestdeutschland und in einige Theile von Mitteldeutschland^). Unter den Papieren Konrads von Weinsberg haben sich Reiseauszeichnungen der genannten Steuerboten erhalten, welche zum Zweck der Rechnungsablage gemacht wurden und demgemäß vorzugsweise die Ausgaben und Einnahmen 2) ausführen. Sie ermöglichen uns, die Abgesandten auf ihren Fahrten von Station zu Station zu begleiten, berichten über die ungünstige Aufnahme, welche die Geldsorderungen an vielen Orten gefunden, obwol sie durch päbstliche und königliche Schreiben unterstützt waren, führen dann die Summen auf, welche erhoben werden konnten, und lassen theilweise durch Gegenüberstellung der Gesammtausgaben und Gesammteinnahmen erkennen, wie wenig schließlich der königlichen Kasse verblieb. 1) Am 6. März traf Konrad von Weinsberg mit den Juden der Städte Ulm, Augsburg, Biberach, Nördlingen, Bopfingen, Giengen, Memmingen, Eßlingen, Reutlingen, Ehingen, Rotenburg a. N., Horb, Billingen, Blaubeuren, den Landen des Grafen von Wirtenbera und Günzburg das Uebereinkommen, daß sie vor Pfingsten 1418 nach Konstanz 600 fl. zahlen sollen (Oehr. 1. e. A 58, eigenhändige Aufzeichnung des Herrn von Weinsberq). 2) Vgl. a. a. O. L 57 und 58. In Neue Beyträge . . . 1754 S. 9 ist ein Schreiben regestiert, mit welchem Meinwart zu den Juden gesandt wurde. Vgl. a. a. O. L 54 f. 40-42 und 45—46; dann die Regesten der Paßbriefe des Herzogs Albrecht von Oesterreich 1418 Mai 9 und des Nicolaus von Gara, Palatins von Ungarn 1418 Mai 30 in Neue Beyträge . . . 1754 S. 9—10. 4) Vgl. zur Uebersicht die Denkschrift, welche Konrad von Weinsberg bei seiner Abreise von Konstanz 1418 Febr. 27 für seinen dort zurückbleibenden Schreiber Peter hinterließ (Oehr. a. a. O R 54 eoä. ekart. eoa.v.). Das Verzeichnis der Briefe, welche die Abgesandten zu ihrer Beglaubigung mit sich führten, s. ebd. L zu Nr. 57 eox. cli. eoäv. 5) Die Reisekosten des Konrad von Weinsberg in L 58; das Rechnungsbuch des Meinwart, der vom 2. März bis Anfg. Aug. 1418 auf der Reise war, in V 57; die Rechnung des Joh. Stopel in L 57. Als Tagegeld berechnete letzterer für sich 4 fl.