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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 208

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Jakob Auerbach
Date
1888-01-01
Page
Seite 208 (sequence 3)
Language
German
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208 Nachrichten. ein Tempel des Lichts uud der Liebe soll er sein, Freude, Glück und Frieden soll in ihm walten und wenn es Nacht wird um eine Menschenseele, da sollen ihr die ewigen Sterne leuchten." Als Freimaurer und Lehrer begnügte er sich nicht mit mündlicher Thätigkeit, die oft mit dem Augenblicke vergeht. Er stellte seine reiche geistige Begabung in ihren Dienst. Die Lehrernatur eignet sich freilich nicht eigentlich zum Schriftstellerthum. Wer als Lehrer berufen ist, beständig auf Fehler der Schüler aufzumerken und Versehen gradezu aufzusuchen, wird, wenn er seine Wirksamkeit sehr ernst nimmt, ein allzu peinlicher Aufpasser seiner eigenen Mängel. Auerbach stellte an sich wie an Andere die höchsten Anforderungen. Er feilte seine für die Öffentlichkeit bestimmten Versuche mit peinlichem Eiser. Er war ein bedächtiger Mann, der wenn auch nicht langsam dachte, doch das Erwogene mühsam zum Denkresultat erhob; nun gab er sich die erdenklichste Mühe, das Gedachte so richtig und so vollendet wie möglich schriftstellerisch zu fixiren. Unter diesen Verhältnissen konnte er niemals ein productiver Schriftsteller werden, aber er hatte die Genugthuung, das, was er geschaffen, als ein Wohlgefügtes, vollkommen Ausgearbeitetes zu hinterlassen und von Anderen gewürdigt zu sehen. Über Auerbachs Logenarbeiten und -Reden habe ich kein Urtheil. Nur wenige kleinere Arbeiten, die aus dem engen Kreise der Genossen herausgetreten sind, find mir bekannt geworden: „Fünfzig Jahre sind vorüber" (Goethe-Jahrb. HI, S. 329, 330), Vorträge über „Goethe und die Freimaurerei" (Juni 1880, Separatdruck vgl. G. I. N, S. 523), über Lessings Freimaurergespräche „Ernst und Falk" (Juni 1877, enthalten in den Protokollen der großen Mutterloge des eklektischen Freimaurerbundes) und über Lessings „Nathan der Weise" (15. Febr. 1881, Separatdruck). Die beiden ersteren Studien geben eine hübsche Erklärung eines bekannten Goetheschen Logengedichts, enthalten Beiträge zur Geschichte desselben, weisen mit klarer Objectivität und ruhiger Milde die Übertreibungen derjenigen zurück, welche der Freimaurerei eine sehr starke Einwirkung aus den Dichter zuschreiben, würdigen aber sehr schön die inneren Beziehungen desselben zur Maurerei. Die beiden anderen heben die tiefere Bedeutung der Lessingschen Schriften hervor, sie preisen in warmen und begeisterten Worten das allgemein Menschliche, das die Zeiten Überdauernde, mit einem Worte das Humane, das diese Arbeiten Lessings auszeichnet. Die vier kleinen Arbeiten, so verschieden sie an sich sind, haben außer dem angeführten Grundcharakter noch etwas Gemeinsames. Sie bekunden Auerbachs innige Theilnahme an der deutschen Cultur, der er sich unendlich verpflichtet fühlte. Er war Deutscher, aber er war auch Jude. Als Jude widmete er der Bibel eine hohe Verehrung. Er hatte als Lehrer die Mangelhaftigkeit der Lehrmittel erkannt, durch welche die Lehre und die Erzählungen der Bibel den Kindern vorgetragen wurden, diesem Mangel suchte er durch zwei Werke: „Kleine Schul-und Hausbibel", und „Biblische Erzählungen" abzuhelfen. (Kleine Schul- und Hausbibel. Geschichten und erbauliche Lesestücke aus den heiligen Schriften der Israeliten. Nebst einer Auswahl aus den Apokryphen nnd der Spruchweisheit der nachbibl.

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