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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 207

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Jakob Auerbach
Date
1888-01-01
Page
Seite 207 (sequence 2)
Language
German
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Nachrichten. 207 Dankesworte und eine ständig gleichbleibende wahrhaft brüderliche Zärtlichkeit; Geiger durch das schöne Wort, das er nach seinem Jubiläum dem Glückwünschenden schrieb: „Nur freilich mein Auerbach, mit dem ich so Alles, Alles liebevoll und eifrig streitend über Komma und Semikolon sowohl als auch über die höchsten Fragen besprechen kann, der fehlt mir und ist er mir, seitdem wir von einander getrennt sind, nicht geworden." Jakob Auerbach widmete sich dem Lehrerberufe. Er war nach der Weise jener Zeit, nach kurzer Borbildung in dem Pädagogium seines Heimathsortes, in verschiedenen Talmudschulen unterrichtet worden, hatte dann seine regelmäßigen Schul- und Universitätsstudien in Geschichte, Philologie und Theologie zu Karlsruhe und Heidelberg absolvirt, promovirte 1836 in Tübingen und hatte die große Freude, 1886 sein Doctordiplom in ehrenvollster Weise erneuert zu sehen. Von 1835 an wirkte er als Religionslehrer in Wiesbaden, seit 1836 einige Jahre als Hauslehrer in Wien, von 1843 bis 1879 als Lehrer in Frankfurt a. Main; nur seine allerletzten Lebensjahre verbrachte er ganz frei von Berufsgeschäften. Mehrere Jahrzehnte hatte er eine ausgebreitete Thätigkeit als Lehrer des Hebräischen und Deutschen an der israelitischen Volks- und Realschule, des Hebräischen allein (seit 1848) am Gymnasium geübt, zwanzig Jahre (1865—1885) stand er als Leiter der großenteils nach seinen Ansichten organisirten Flersheimschen Erziehungsanstalt vor. Er war eine geborene Lehrernatur. Er begnügte sich nicht mit dem Bemühen seinen Schülern und Schülerinnen vielfache Kennwisse beizubringen, obwohl er eifrig und erfolgreich diesem Bemühen oblag, sondern er war ganz erfüllt von jenem höhern Streben, den Geist seiner Zöglinge zu bereichern, ihr eigenes Nachdenken zu wecken und ihnen dadurch die selbständige Fortentwicklung auf geistigem Gebiete zu ermöglichen, ihren Character zu stählen und die Gebote ächter Sittlichkeit, in deren Erfüllung er ein hohes Muster war, von ihnen zu fordern und sie zur Leistung dieser Forderung vorzubereiten. In treuer Gesinnung danken ihm nicht Wenige die Bereicherung ihrer Kenntnisse, ja gradezu die bestimmende Richtung ihres Geistes, ihrer wissenschaftlichen Arbeit; gerührten Herzen preisen ihn Viele als treuen Mentor und Gewissensrath, als Tugendlehrer, als Schöpfer ihrer sittlichen Wiedergeburt. Er nützte der Jugend, aber er betrachtete diese Jugendunterweisung nur als den ersten Schritt seiner Thätigkeit. Er stellte sein Wirken in den Dienst der Menschheit. Ziemlich früh schloß er sich dem Freimaurerbund an. Er weihte diese Thätigkeit durch seinen Ernst und seinen Eifer wie eine heilige. Er fand für diese seine Wirksamkeit reiche Anerkennung und erlangte große Ehren in der einzelnen Loge und in dem Bunde, der viele Logen vereinigte. Er war in seiner Wirksamkeit von den edelsten Trieben geleitet; das Goethesche über Herder gesagte Wort „Humanität sei unser ewig Ziel" durfte man getrost auf ihn anwenden. In welch erhabenem Sinne er die Freimaurerei auffaßte, das bekundete er u. A. in folgendem Ausspruch, den ein Grabredner anführte: „Hoch und hehr soll dieser Bau sich erheben, über alle beengenden Schranken hinweg, wie der Himmel über uns, ein Werk der Schönheit, 14*

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