Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Blutbeschuldigung zu Fulda und ihre Folgen
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 4)
- Language
- German
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Moritz Stern, Die Blutbeschuldiqung zu Fulda und ihre Folgen. 197 Fuldaer die Leichen als Beweisstücke für die verbrecherische Gesinnung der deutschen Juden überhaupt zum Kaiser, um die gegen alle Juden erhobene Beschuldigung durch die jüngsten eorxora äelieti zu unterstützen. „Wenn sie tot sind, so gehet und begrabet sie, da sie ja doch zu etwas anderem nicht taugen" war des freisinnigen Friedrichs Antwort^). Unter großen Ehrenbezeugungen von Seiten des Volkes wurden sodann die Leichen in Hagenau bestattet. Nur äußerlich war die Fuldaer Angelegenheit hiermit erledigt; sie blieb nunmehr die Grundlage für den Verdacht gegen alle Juden des Reichs-). „Handlungen eines geheimen Verbrechens waren nicht offenbar"^). Aber der Argwohn und Aberglauben saßen in den Herzen fest. Wie nun der immer stärker auftretenden Beschuldigungdaß die Juden zu ihrem Passahmahle Blut notwendig gebrauchen und, um dieses zu erlangen, Christen töten müssen, Einhalt gebieten! Der Kaiser beschloß, die Ersten des Reichs selbst in der gegen die Juden erhobenen Anklage das Urteil fällen zu lassen. Er ließ daher die Fürsten, Barone, Edle und die Geistlichkeit zu einer Beratung zusammentretend). Das Ergebnis derselben war kein befriedigendes. So viel Personen anwesend waren, so viel Meinungen herrschten über die vorgelegte Frage 6). Auf diesem Wege konnte also Friedrich nicht zum Ziele gelangen. Er selbst war in seinem Innern auf Grund der Kenntnis vieler Schriften von der Schuldlosigkeit der Juden überzeugt, aber zur Befriedigung des Volkes und Wahrung des Rechts brauchte er ein bestimmteres Urteil, als es ihm Adel und Geistlichkeit gegeben hatten^). Sollten seine christlichen Unterthanen in steter Furcht vor den jüdischen Nachbarn leben? Und durste er andererseits gestatten, daß seine jüdischen Kammerknechte, die ihm von so großem Nutzen waren, stets neuen Verfolgungen ausgesetzt blieben? Der Kaiser hielt es nunmehr für das Beste, durch eine wissenschaftliche Commission die Gesetzest) Assta Leuou. ecolesiae: si mortui sunt, ite, sepelite eos, Huia ad aliud uou valeut. 2) Für das Folgende tritt als neue, ergiebige Quelle der zweite Teil (adsolutio) der von Hoeniger in dieser Zeitschrift I, 137 ff. veröffentlichten Urkunde Friedrichs II. vom Juli 1236 hinzu. 2) ^eoioues elaudestiui raaleüoii uou xatedaut: Urk. 1236. 4) Uard.: turaultum, Hui tuuv eoutra Zudaeos ortus est. 5) ^.d elueidaudaiu super predioto eriruiue veritateru priueipes et luaAvates et uobiles yuauiplures iruperii, addates et viros reli^iosos uudiyus ad nostraiu preseueiaw eveoatos providiruus eousuleudos: Urk. 1236. Bon der Vernichtung der Fuldaer Juden schweigt der Kaiser in seiner Urkunde. Er erwähnt nur den Tod einiger Knaben zu Fulda und die gegen die dortigen Juden erhobene Beschuldigung. Die ^nii. Ulardaoeuses berichten über die Berufung des Hostages mit den Worten: ruultos viros potentes rusZuos et literatos (Adel und Geistlichkeit) ex diversis partidus eouvooaus diliZeuter a sapieutidus iuyuisivit eto. 6) Huidus super eo diversa seueieutidus, ut «Iiversis, nee sukLeieueiam eousilii super doo iuveuire valeutidus: Urk. 1236. Die ^uu. barbae, geben dasselbe Resultat an: Huia uiolii! eerti super ovo experiri poterat. HuaruHuam vero per plurium librorum auetoritates, yuos ruaiestas uostra didieerat, eouseieutia uostra predietoruiu »sudeorum iuuoeeueiaiu uaduit raeiouadiliter exeusatam, ad satiskaeeioveiu tameu uou minus rudis populi v^uaui et iuris . . . leZatos misiums: a. a. O.