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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 195

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Die Blutbeschuldigung zu Fulda und ihre Folgen
Date
1888-01-01
Page
Seite 195 (sequence 2)
Language
German
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Moritz Stern, Die Blutbeschuldigung zu Fulda und ihre Folgen. 195 Das Nürnberger Memorbuch, bisher unter dem Namen „Mainzer Memorbuch" bekannt, zählt uns die Namen dieser Fuldaer Opfer auf. Daselbst findet sich auch das jüdische Datum der Hinrichtung, der 17. Tebet, das mit dem vom Erfurter Chronisten angegebenen 28. Dezember übereinstimmt^). Es wurden folgende Juden getötet: R. Elasar, Sohn des R. Mardachai; sein Weib Frau Rahel; seine Schwiegermutter Frau Zeruja und ihre sieben Kinder; — R. Joseph aus Frankreich; sein Bruder R. Samuel; seine Kinder und seine Mutter Frau Hanna; — R. Gottschalk, Sohn des R. Samuel, und sein Weib Frau Minna; — R. Simsen; sein Weib Frau Rahel und seine drei Kinder; — eine Waise; — R. David aus Frankreich; — R. Aaron; sein Weib Frau Hitzlin und ihre Kinder Bona uns Samuel-). — Es sind dies 26 Personen, zu denen noch die Kinder des R. Joseph aus Frankreich hinzukommen, deren Zahl nicht angegeben ist. Schätzen wir diese aus acht, so erhalten wir die in den Erfurter Annclen angegebene Zahl 34. Der Borfall erregte damals in Deutschland großes Aufsehen. In Lauda und Bischofsheim waren im Januar desselben Jahres mehrere Juden unter der Anklage, einen Christen ermordet zu haben, hingerichtet worden. Im Oktober oder November hatte eine Verfolgung der Juden in Wolfhagen bei Kassel stattgefunden. Erst im Anfang Dezember war dasselbe Schicksal, wie einige Wochen spater in Fulda, 18 Juden in Wolfisheim bei Straßburg zu teil geworden^) Gegen die ganze Judenschaft Deutschlands wurde nunmehr der Verdacht des rituellen Christenmordes laut 4). wissen die Quellen nichts. Nach Trithemius, Lkronieon LirsauZiense (Praneok. 1601), S. 183 wurden die Juden verbrannt (inulti ex eis ooindnsti sunt), nach Schannat, a. a. O., S. 191 wurden sie mit dem Schwerte hingerichtet (ferro oon- 8nrnpti). Die zeitgenossischen Berichte geben nur allgemein ,snnt perernpti' und ,0eoiäerlliit/ (Memorbuch: an. ') E. Carmoly im „Israelitischen Volkslehrer", hrsg. v. L. Stein Jg. VII (Franks. 1857), S. 19. Graetz, Gesch. der Juden VII2, 99 und Note 4. Die Darstellung des letzteren im Texte ist nicht quellengemäß, die in der Note abgedruckten lateinischen Citate sind ungenau. Auch bei Stobbe, Die Juden in Deutschland, Note 78 findet sich puniendos und proposita. Die Erwähnung der „Amnestie des Kaisers für die Judenmörder" bei Graetz, a. a. O., S. 440 beruht aus Verwechslung von 1236 mit 1246 und gehört zur Verfolgung in Frankfurt a. M. 2) Der hebräische Text der Liste wurde mir von Herrn Rabb. Dr. S. Salfeld in Mainz, dem Herausgeber des Memorbuches, noch einmal gütigst mitgeteilt. 2) Ueber Lauda und Bischofsheim siehe Graetz, a. a. O., Note 4 und Carmoly, a. a. O., S. 18. Für Wolfhagen giebt das Nürnberger Memorbuch (Revue äes ewäes Hnives IV, ^g) den Monat Marcheschwan an. Dieser währte damals vom 15. Oktober bis zum 12. November. Ueber Wolfisheim siehe ^.nn. Lrxkorä., U. 88. XVI, 31: L^oo stiarn anno oiroa TalenäaL Deoemdrig in viNa ^olkesneim ^u<1ei numerv 18 nt (Zioitnr sunt oooisi propter Hnenäani onristiannrn, Hnem rniseradiliter intsremernnt eto. 4) . . onra <Ze rieee qnorunäarn Vuläensinrn pnerornm 5n6ei3 in ea6em oivitate tnno ternporis äeZentidus köret iinposituni Zrave crimen, per cznoä aäversu8 oeteros Znüeos ^.lernannie xroxter iniLeradilern easurn emer^entiL inkortnnü odorta Zeneraliter gravis opinis vioinurn xopulum rninadatur: Urk. K. Friedrichs II. v. I. 1236 (1. oitanäo).

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