Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mittheilungen über jüdische Interieurs zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 4)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jüdische Interieurs zu Ende des 17. Jahrh. 185 vater mag es eine besondere Genugthung gewährt haben, Weib und Töchter recht geputzt zu sehen. Der Einblick, den unsere Inventars gewähren, steht mit dieser Auffassung wenigstens nicht im Widerspruch. Einige recht gute Anhaltspunkte giebt auch die, freilich einer etwas späteren Zeit angehörende jüdische Kleiderordnung, die am 18. Juli 1715 auf Verordnung der Gemeine und „Befehl der Herren Vorsteher und der Herren Aufseher und mit Consens des vortrefflichen Rabbiners in der alten und neuen Schul auszeruffen worden ist". In Nachahmung der in christlichen Gemeinwesen geltenden Gepflogenheiten hatten die Juden, die man ja (s. oben) daran gewöhnt, einen Staat unter sich zu bilden, sich für befugt gehalten, ein besonderes und recht strenges Reglement sich vorzuschreiben; sie mögen vielleicht gedacht haben, mit diesem ihrem Vorgehen etwas gerade in den Augen der Bürger sehr Löbliches zu unternehmen. Gefehlt! Herr Schudt erwischt ein Exemplar, er übersetzt es/) und augenblicklich fährt der obrigkeitliche Blitz auf Diejenigen herab, die sich vermessentlich unterstanden „le^es vestiarias und suiQtuariA.8^ zu machen: sie werden wegen solchen Frevels „billig von dem löblichen Zenden-Amt zur Straffe gezogen". Nur den Freien ist die Tugend möglich! Charakteristisch für die traurigen Zeitumstände, unter denen die Juden selbstverständlich ganz besonders zu leiden hatten/) sind die verschiedenen Posten „gefleht Gut", welches das Inventar aufführt; es mögen Juden aus der Bergstraße oder der Pfalz gewesen sein, denen die Gegenstände angehörten. Unter dem furchtbaren Eindruck, den die Pfalzverwüstung hervorgebracht, hatte bewegteres Mitgefühl den gewohnten Panzer der Engherzigkeit gelüftet; für die Vertriebenen, Abgebrannten, wurden in den Städten nicht nur Geldsammlungen veranstaltet, sondern, was mehr war, den Flüchtlingen wurde die Möglichkeit geboten, sich mit ihrer Arbeit zu ernähren; besondere Erleichterungen wurden ihnen zu dem Zwecke eingeräumt. So verfuhr auch Frankfurt. Aber die Herzen der glücklich Verschonten auch für vertriebene Juden in ähnlicher Weise mild zu stimmen: dazu hatte aller Jammer der Zeit nicht ausgereicht, dazu ist die Einkehr in sich selbst, wie sie damals so oft gepredigt worden, nicht wirksam genug gewesen. ^) S5 » 45 Ich lasse nun das Inventar folgen, indem ich die größeren und für die Räumlichkeit charakteristischen Gegenstände nach ihrem Standort anführe, auf die kleineren, die mehr zufällig umherliegenden Dinge und die ') Auch enthalten in Bd. IV. des citirten Buches. — Siehe weitere unten. y Schudt 1,440 berichtet u. A., daß sich iu Speyer bis zu der 1689 erfolgten Verwüstung 10—12 jüd. Familien aufgehalten „Nach der letzten Wiedererbauung biß auf jetzo haben die Herrn Speyrer keine Wohnung denen Juden mehr verstatten wollen". 3) Pgl. Protokoll der Rathssitzung vom 13. Juni 1689. Denen Juden aus Speyer, Worms, u. der Pfalz soll bei hoher Slrafe kein Aufenthalt iu Frankfurt gestattet werden. — — Jndeß zeigt doch die Visitation von 1694, daß entweder die Juden dies Verbot zu umgehen wußten, oder daß eine spätere gelinde Praxis dessen Schärfe milderte; wir finden nämlich 87 fremde Personen aus der Pfalz vor, von denen 21 (4 Ehepaare mit zus. 13 Kindern) bereits 4 Jahre, also vielleicht seit 1689, anwesend waren.