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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 184

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Mittheilungen über jüdische Interieurs zu Ende des siebzehnten Jahrhunderts
Date
1888-01-01
Page
Seite 184 (sequence 3)
Language
German
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184 Schnapver-Arndt, Jüdische Interieurs zu Ende des 17. Jahrh. gereicht haben. Aus gedruckten und archivalischen Quellen verschiedener Art, aus denen ich in einem andern Zusammenhange Weiteres mittheilen werde, kann man ersehen, wie gern sich hochgestellte Persönlichkeiten bei Ankäufen verschiedener Art (namentlich auch Bücherankäufen) an Juden wandten, während das Collegium, welchem sie angehörten, der Rath — freilich anstürmendem Brotneid nachgebend — Beschränkungen nach verschiedenen Richtungen hin ausarbeitete. Ganz besonders gegen den Bücherhandel kämpfte die bürgerliche Concurrenz, und mit Erfolg.') Es ist übrigens, trotz den Angaben der „Visitation", nicht ganz leicht, in unserem Inventar mit Sicherheit zu unterscheiden, was Gebrauchsgegenstände, was Handelsartikel gewesen sind. Die Anordnungsweise, die heute in den Haushaltungen herrscht, ist überhaupt den bürgerlichen Interieurs damaliger Zeit fremd gewesen. Stand eine Jnventarisirung bevor, so wurde zu deren Erleichterung die übliche Anordnung häufig noch mehr gestört, namentlich kleinere Gegenstände von ihrer gewöhnlichen Stelle gebracht. 2) Am Deutlichsten geben sich als Handelswaaren zu erkennen die in dem Gewölbe, dem Keller und der Kammer Nr. 3 befindlichen Dinge. Ein Theil der Kleidungsstücke war vielleicht auch für den Handel bestimmt. Es war den Juden gestattet, alte sowohl wie neue Kleider zu verkaufen, letztere sobald sie dieselben bei zünftigen Meistern hatten fertigen lassen. Die Berichte, welche die zeitgenössischen Schriftsteller über das Aussehen der Frankfurter Juden in Beziehung auf ihre Kleidung geben, sind in manchen Stücken widersprechend, wie das übrigens von mehr oder minder flüchtigen Reisemittheilungen nicht Wunder nehmen kann. Auch die Berichte des ansässigen Schudt geben kein ganz übereinstimmendes Bild; zumeist stellt dieser Autor, dem es wesentlich auf Erregung der Leidenschaften gegen die Juden ankam, deren Kleidung als übermäßig prächtig hin; zuweilen aber, wenn es ihm besser in den Zusammenhang paßt, macht er sich wiederum Citate zu eigen, welche (da auch dies zur Verächtlichmachung dienen kann) sie als „arme Teuffel", die „schlechte Springe machen" und lumpig erscheinen lassen. ^) Erwägt man, wie auf das Meiste von dem, was zur Erfreuung des Menschen Natur und Civilisation darbieten, der Jude jener Zeit verzichten mußte, so wird man einen ausgesprochenen Hang zu Schmuck und Kleiderstaat nicht für unwahrscheinlich halten: dem Häusel In den Bürgermeisterbüchern der Zeit spielen eine Rolle namentlich David zum Schiff und Nathan zum Strauß; Schudt in seinen „Jüdischen Merkwürdigkeiten" (1714) weiß besonders auch noch des „frommen Joseph" mit Schauern sich zu entsinnen (nsl xevsier rinasoo 1a paura); derselbe hatte „ftäts gebundene Bücher feil herum in die Häuser getragen, dadurch man oft zu raren Büchern auch wohl um geringen Preiß kommen können" (II, 167 f.). 2) Vgl. auch Orth, a. a. O. IV, 70. 2) So in dem Citate: „tous asses pauvres, si 011 en ckoit ^uZer par Isurs dadits et leurs 8z^ria^o»es, Hui vs sont queres plus czus 6es reäuits 6s AueusaiNe" (II, 187). Mit unseren Jnventaren in Einklang stehen bei Schudt namentlich mehrere Angaben über Weiberkleidung (II, 252)/ den daselbst erwähnten Mttern (auf Schleiern), silbernen Gürteln, werden wir später mehrfach begegnen; auch den II, 243 angeführten, ihm zufolge in der Synagoge getragenen verzierten „Schlaffhauben".

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