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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 175

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Österreich
Date
1888-01-01
Page
Seite 175 (sequence 5)
Language
German
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G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. 175 des Zahlmeisters Joan Medori zwei tausend Thaler geborgt, die zum Theil für den Küchenbedarf verwendet, „wie dies dem Kuchelmeister wol bewußt ist" und zum Theil nach den Niederlanden geschickt wurden. Als Pfand erhielt er Silbergeschirr. Genannter Medori sagte Meisel zu, „den gebürlichen jüdischen Zins, alle drei Monate jeder Woche für einen Thaler einen weißen Pfennig" (es gab auch schwarze Pfennige, die, weil sie mehr mit Kupfer legirt, wertloser waren). Meisel hatte obige Summe nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Beihilfe mehrerer Juden „mit großer Mühe" aufgebracht. Es wurden jedoch bis dahin, 1581, 3 Jahre keine Zinsen und noch weniger das Capital bezahlt. Meisel war genötigt, den andern Darlehern „aus eigenem Beutel" die Zinsen zu bezahlen. Meisel hatte sich an den Hofmeister der Kaiserin Trautsam, an den Kammerpräsidenten Jan v. Lobkowitz und an Herrn v. Pernstein u. s. w. gewendet, doch alles vergeblich. Er mußte nach wie vor die Zinsen den andern Darlehern bezahlen und wenn das so weiter fortginge, müsse er (M.) verderben. Nach langen und vielfältigen Ansuchen erwirkte schließlich der Kammerpräsident Lobkowitz vom Kaiser die Flüssigmachung von 30()() Thalern, um das Psand auszulösen, aber die 3(XX) Thaler sind „anderswohin gewannt worden". Er verweist auf die beigelegten Schriftstücke, daß ihm der gebührende Zins zugesagt und sei er auch mündlich von den genannten Herren stets vertröstet worden, daß er ihn erhalten werde; doch bis jetzt warte er vergeblich von einem Tage auf den andern. Da er nun nicht annehmen könne, daß man seinen Schaden begehre, so bittet er um ein „billiges christliches Einsehen" um Gottes willen, damit er „armer Mann" die Summe sammt den Zinsen erhalte und nicht weiter Schaden erleide. Sollte ihm diese Bitte nicht gewährt werden, so müßte er verderben. Er schließt, wenn ihm die Bitte gewährt wird: „Solches will legen Gott umb Eurer Gnaden mit Embsig gebett In keine Vergessenheit stellen und bitten Gott der Allmechtige wolle Euer Gnaden glückselige Regierung und langes leben verleihen und geben hie zeitlich und dort ewiglich." ^) Welchen Erfolg dieses Bittgesuch hatte, wissen wir nicht, da sich hier in Wien über diese Angelegenheit nichts weiter vorfindet. Am 22. Dec. 1593 und dann Mittwoch nach dem Sonntag Oculi 1598 erhielt Meisel ein Privilegium, einen Maiestätsbries, und starb in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1601. Kaum war M. todt, so erhielt die kais. Procuratur von Kaiser Rudolf II. Montag nach dem Palmsonntag 1601 den Auftrag, „alle brifliche Urkunden oder Maiestätsbrife auf weiland Marcus Mardoche Juden lautend mit Fleiß durchzugehen und übersehen, und daneben auch in allen Artikeln mit ') Die materiellen Mittel der österreichischen Regenten waren, wie bereits bemerkt, so ziemlich zu allen Zeiten sehr beschränkt und scheint das eine Erbschaft von Rudolf von Habsburg zu sein, dem Juden, unter andern Amschel Oppenheimer, aus der Verlegenheit halfen. Es kam vor, daß manchmal nicht die Mittel vorhanden waren, um den Gewürzkrämer zu bezahlen. Eine Ausnahme machte Kaiser Franz von Lothringen, Gemahl der Kaiserin Maria Theresia. Dieser hinterließ in barem Geld fl. 4,095,291 und in Papieren fi. 13,639,513. Wie bekannt, hat sein Erbe Kaiser Joses II. dieses Geld dem Staatsschatze einverleibt.

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