Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Rückkehr der Juden nach Frankfurt am Main im Jahre 1360
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2259275-2259334-2259337-2263695--0635-2263772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 Jos. Goldschmidt, Die Rückkehr der Juden nach Franks, a. M. i. I. 1360. 1362.') Der Comtur des deutschen Hauses in Sachsenhausen verleiht dem Bartholomäusstifte zu Frankfurt um 3 Mark Geldis eine kovestaä äie äs. Iz^et ... an äer ^uäen seduldoL unä ir Davt^dus ee Lie äa seldiZ vii-Kiv^en. So spricht Jemand, der sich der Verhältnisse vor der Vertreibung erinnert, aber auch weiß, daß sie erst vor Kurzem zurückgekehrt sind und noch kein neues Tanzhaus bezogen haben. Sind auch nicht alle Beweise für die Abwesenheit von zwingender Kraft, so nötigen sie uns doch, den Gedanken aufzugeben, es hätten sich zwischen 1349 und 1359 Juden in Frankfurt niedergelassen und in irgend welcher Rechtsbeziehung zu Stadt und Bürgerschaft gestanden. m. Wenden wir uns zu den Umständen und Begebenheiten, welche zu ihrer Rückkehr führten. Zunächst muß man erwägen, daß Niemand wegen Schulden ihren Einzug zu fürchten brauchte; denn die Darlehen waren von Leuten ent^ nommen worden, die nicht mehr lebten, und deren etwaige Verwandte keinen Anspruch erheben konnten. Wohl aber gab es Private und Institute, die ein Interesse an ihrer Anwesenheit haben mußten, weil sie Geldansprüche an die Juden hatten, und die man daher in gewissem Sinne ihre Gläubiger nennen könnte. Voran steht der Erzbischof von Mainz mit einer Summe von 9000 S, einem außerordentlich hohen Betrage. Die Schuld war eine alte.?) Adolf von Nassau hatte seinem erbitterten Verwandten als Entschädigung für Kosten und Schaden in Kriegsdiensten den Judenzehnten von Deutschland gewähren müssen. Zu diesen 5000 M. hatte er ihm noch 300 M. jährlicher Zinsen von den Frankfurter Juden verliehen. ^) Dazu bewilligte Albrecht I. schon 1299 noch 500 M., so daß im ganzen 800 M. von hier nach Mainz flössen. Wir haben aus den Jahren 1302, 1310, 1314, 1315 Bestätigungen dieser Schenkung von Albrecht, Heinrich und Ludwig. Und Karl IV. wollte sich mit einem Kirchenfürsten nicht überwerfen, am wenigsten mit seinem Neffen Gerhard. Es sind nicht alle Einzelheiten dieser Sache klar/) allein die 5000 M. oder 9000 S5 blieben auf der Frank furter Judenschaft haften, was einer jährlichen Steuer von 900 S oder 750 fl. gleichkam. 6) Nach dem Brande entging dem Erzbistum diese wichtige Einnahme, auf welche es bei seinen großen Bedürfnissen schwerlich verzichten konnte. ^) Wir werden bald wahrnehmen, wie das Bistum wieder zu den Einkünften gelangte. Fr. St. Arch. Judenurk. 2) Boehmer eoä. äixl. Noeuotr. I, 312, 327. s) Ib. unter dem 3. Oct. 1299. 4) Vgl. Guden eoä. äixl. 3, 55 f., auch Kriegk BiLrgerzw., 414. 5) Eine städtische Zahlung von 900 S, vom Ungelde entnommen, ebenfalls an das Erzbistum, ist mit der Judenabgabe nicht zu verwechseln. Rmb. 1348, Juli 1. «) Vielleicht hängt die Verzögerung der Anerkennung der Verpfändung von 1349 damit zusammen.