Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel] / H. B.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 4)
- Language
- German
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Nachrichten. 103 G. Schnapper-Arndt erörtert in einer trefflichen, zumeist aus handschriftlichen Quellen geschöpften Studie (Westermanns Monatshefte, Jahrg. 31, April, S. 46) die Beziehungen Börnes zu seiner Correspondentin, der Frau Wohl-Strauß, die bisher nur sehr wenig bekannt war. Die geistig begabte, liebevolle, charakterfeste und durchaus anspruchslose Frau wird iu sehr anziehender Weise geschildert. Karl Sieveking (Vgl. Bilder aus vergangener Zeit nach Mitteilungen aus größtententeils ungedruckten Familienpapieren. 2. Theil. Hamburg 1887, 2. Abt., S. 201 ff.) schildert seinen Aufenthalt in Frankfurt 1848, wo er Gabriel Rießer kennen lernt, und schreibt, teils aus Anlaß dieser Bekanntschast, teils aus Anlaß' des damaligen Zeitungsstreites in seinen Tagebüchern und Briefen folgende Äußerungen nieder, die als historisches Material, aber auch nur als solches, der Wiedergabe Werth sind: „Unleugbar ist doch selbst in dem Schacher des Volkes ein großartiger, weltbürgerlicher Charakter. Sie können nichts ihrem Wesen Widersprechenderes und daher Dümmeres thun, als sich aus irgend einen beschränkten Patriotismus, wie den hamburgischen, preußischen, deutschen oder französischen einzulassen. Durchdringt man sich mit dem eigentlichen Berus des jüdischen Volkes, dem die heilige Schrift noch eine Zukunft weissagt, so kann man nicht umhin, in ihrem völkerverbindenden Schacher die Vorbereitung zu jenem weltbürgerlichen Priestertum zu erkennen, was, wenn die Fülle der Heiden bekehrt sein wird, der Apostel in geheimnisvollen Worten dem wiedereingepfropften durch Unglauben verwilderten Reis des edlen Ölbaumes weissagt, dessen Säfte wir, die eingesetzten Zweige des ursprünglich wilden Ölbaumes, uns durch den Glauben angeeignet haben." ____„Wie ich von Radowitz gehört, lag es in der Absicht der preußischen Regierung, die polnischen Juden auch in größeren Städten zum Bürgerrecht zuzulassen. Auf die desfalls erlassene Zirkularansrage erwiderte der Oberrabbiner in Posen so lakonisch als richtig: „Israel kann in der Verbannung nirgend Bürger werden." Ebenso schön sagte ihm der Rabbiner, mit dem er den Talmud las: „Auf uns ruht ein Segen, der auch hindert, uns zu verderben; aus uns ruht ein Fluch, der euch hindert, uns zu beglücken: darum laß uns ungeschoren." .... Es trifft sich glücklich, daß ich, aus Abneigung gegen den sogenannten christlichen Staat, den Grundsatz der radikalen Emanzipation mit meinem Glauben an die prophetische Bedeutung des jüdischen Volkes verträglich finde. Und von diesem Gesichtspunkte aus kann ich mich auch mit dem jüdischen Liberalismus so gut befreunden, wie mit der talmudischen Reaktion, die sich seit einiger Zeit unter ihnen so geltend macht, wie die augsburgische Confession unter den Lutheranern." L. G. Beachtenswerthe Ausführungen über die rechtliche Stellung der Juden im fränkischen Reiche finden sich in H. Brunners Deutscher Rechtsgeschichte (Leipzig 1887) I, 273 (Z 35. Das Fremdenrecht und das Juden-