Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel] / H. B.
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 3)
- Language
- German
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102 Nachrichten. Materialien des Frankfurter Stadtarchivs. Mansfeld, Christian von Braunschweig, Tillh, Erzherzog Leopold beanspruchten 1631 eine starke Summe von den Juden, diese wurden aber durch den Kaiser in ihren Rechten geschützt. Otto Buchner bringt in seiner Schrift: „Aus Gießens Vergangenheit. Culturhistorische Bilder aus verschiedenen Jahrhunderten. Gießen 1887, S. 182—199, einen Aufsatz aus den Akten der Gießener medic. Facultät 1710: „Der erste Jude als praktischer Arzt in Hessen", Meyer Low. Der Aufsatz gibt sehr interessante Details über die Quälereien, denen der Genannte ausgesetzt war, ehe er sein Doctorexamen in Gießen machen konnte, über die Verweigerung des Titels „Herr" u. s. w. Eine kurze Biographie des deutschen Dichters M. Ephr. Kuh (1731—1790) und eine ziemlich scharfe, aber gerechte Beurtheilung seiner poetischen Arbeiten gibt Max Koch in dem neuesten Bande von Ersch und Grubers ReabEnchclopädie,. S. 189—197. (Vgl. dazu die weit günstigere Beurtheilung Kuh's durch I. Franck in der Allg. deutschen Biographie 1883, XVII, S. 317, 318.) In Julius Eckardts Veröffentlichung: „Garlieb Merkel über Deutschland zur Schiller-Goethe-Zeit" (Berlin 1887), finden sich, außer einigen unbedeutenden Spöttereien gegen Juden (S. 26, 148), interessante Mittheilungen über die Carricatur der Henr. Herz und Schleiermachers und deren Folgen; und über Herders Äußerung, das Friedlaendersche Sendschreiben an Teller betreffend (S. 131, 171). Dort wird auch (S. 180—183, 196 ff.) der Vorwurf erhoben und ausführlich zu begründen versucht, die deutschen Juden hätten für Napoleon gearbeitet, Israel Jacobsohn hätte die Organisation eines deutschen Sanhedrins, „eines jüdischen Staates im christlichen Staate" zu erwirken unternommen. Zur Geschichte der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde zu Berlin, betitelt sich eine interessante Studie (Berlin, Druck von I. S. Preuß, 49 S. in 4"), die von dem Vorstande der Krankenverpflegungsanstalt veröffentlicht worden ist. Die Schrift, der eine nach den Akten und Quellen angefertigte Arbeit des Herrn Jul. Steinschneider zu Grunde liegt, bringt wichtige Mittheilungen über die Krankenpflege seit dem Bestehen der jüdischen Gemeinde (Ende des 17. Jahrh.), enthält merkwürdige Beschlüsse über die Stellung der Staatsbehörde zu diesen Humanitären Bestrebungen und zeigt, mit welcher Liebe, mit welch weitgehender Berücksichtigung anderer Confessionen und mit welch nachdrücklicher Benutzung aller wissenschaftlichen Anforderungen die Krankenpflege der jüd. Gemeinde zu Berlin getrieben wurde und noch wird.