Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Leopold Löwenstein, Memorbücher. 91 die Jahreszahl 527 — 1767 als das Jahr bezeichnet wird, an welchem dieses Memorbuch angelegt wurde.) Auf der andern Seite steht das Gebet für den Fürsten, dann folgt Jekum Purkan u. s. w. wie im Memorbuch der Neuschule. Es ist ebenfalls auf Pergament und durchweg in Quadratbuchstaben geschrieben. Indem ich schon früher genannte Namen übergehe, hebe ich folgende hervor: Nr. 3 der greise und gelehrte Rabb.-Assessor, der 50 Jahre als solcher hier in Fürth fungirte, R. Jehuda Jüdel bar Schimschon. Nr. 6 der gelehrte, greise Rabb.-Assessor, der 50 Jahre dahier dieses Amt bekleidete, R. Judel Rinds köpf. Nr. 8 unser jugendlicher, gelehrter Rabb.- Assessor R. Wolf Aub: ebenso Nr. 9 R. Sender b. Meir aus Metz. Nr. 11 der Vorsteher R. Mosche bar Jona Heizfeldl). Nr. 12 Jentel, Tochter des R. Israel Lichtenstadt aus Prag, Gattin des R. Joel Bamberg; während ihrer Krankheit stiftete ihr Vater (wie schon oben bemerkt) eine große Summe zum Bau eines Waisenhauses; starb 523 — 1763. Nr. 29 Gitel, Tochter des R. Eleasar Liebermann, Gattin des eben genannten R. Israel Lichtenstadt, welche dessen Absicht, die Gründung eines Waisenhauses zu veranlassen, kräftigst unterstützte und stets für Bekleidung der Waisenkinder thätig besorgt war; starb 529 — 1769. Nr. 51 R. Jizchak, der, seit Gründung des Waisenhauses, mehr als 30 Jahre, bis zu seinem Tode Dienerstelle in demselben versehen hat; starb 554— 1794. Ferner der durch besondere Gelehrsamkeit hervorragende Rabb.-Assessor Wolf Ullmann. Nr. 90 der Rabb. - Assessor und Lehrer des Waisenhauses R. Lippmann Gerau, der noch im höchsten Alter in der Morgenfrühe sich in das Lehrhaus begab, um zu lernen und zu beten; starb 589 —1829. Ferner der Kassier des Waisenvereins Mosche Chajim Riga; der greise R. Jehuda bar Simcha, der mehr als 50 Jahre im Lehrhause wirkte und in der Gemeinde das Schächteramt ausübte; starb 601 — 1841. Den Schluß bildet Nr. 108 mit dem frommen und ehrenhaften R. Jsak Heß, dem langjährigen Kassier des Waisenvereins; starb 626 — 1866. Das Memorbuch schließt ebenso, wie jenes der Neuschule, mit dem nahezu gleichlautenden Verzeichnis der deutschen und polnischen Ortschaften, in welchen Verfolgungen stattgefunden haben. Das Memorbuch der Klaus, als drittes in der Reihe der Fürther Memorbücher, ist auf Pergament, ohne Titelblatt, in alter Schrift geschrieben. Jeweils das erste Wort der am Anfange befindlichen Gebetstücke ist in Goldsarbe geschrieben und mit Zierraten, z. B. Teilen des Tempelgebäudes, Vögeln oder Blumen geschmückt. Nach den gewöhnlichen Gebeten (Jehi Razon, Jekum Purkan, Aw Harachamin) folgt zunächst ein Mischeberach für den Verein der Kabranim d. i. derjenigen, welche in aufopfernder und uneigennützigster Weise mit Leichenbestattung sich beschästigen; dann folgen verschiedene Gebete für die Verstorbenen und Diejenigen, welche zu ihrem Seelenheil Gaben stiften. Hieran schließt sich die Agende für Simchat Thora (Fest der Gesetzesfreude), wenig abweichend von der Heizfeld, Hazfeld ist die damals gebräuchliche abgekürzte Bezeichnung für Heidingsfeld, bair. Stadt in der Nähe von Würzburg.