Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Memorbücher
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 3)
- Language
- German
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90 Leopold Löwenstein, Memorbücher. Holzverteilung an hiesige Arme sich bemühte. Nr. 853 unser weitberühmter und hockangesehene Rabbiner Salomen Kehn, Verfasser der Schriften Bigde Kehunah, Mischan Majim und Nachalat Abot, der noch in hohem Alter der Talmudschule vorstand, in vielen polnischen Gemeinden Thorakenntnis verbreitete und zuletzt hier in Fürth 30 Jahre lang treuer Hirte der Gemeinde war u. s. w. (starb 29. Kislew 580 — 17. Dezember 1819). Hieraus folgen in Nr. 854 bis 866 noch 13 Jiskor aus neuerer Zeit. Es schließt sich hieran in alter schöner Quadratschrift das am Sabbat vor dem Wochenseste und vor dem 9. Aw zu verlesende Verzeichnis der Martyrergemeinden, das, mit Augsburg beginnend und mit Prag schließend, nach bekanntem Muster 39 Gemeinden nennt. In einem zweiten Verzeichnis (in welchem gleich dem ersten, jede Nummer mit den Worten beginnt ^I^A"? ^1^71 N Gott gedenke der Seelen der Get'ödteten und Verbrannten) werden die Namen der Martyrergemeinden aus Polen (zur Zeit der Kosakenaufstände) aufgeführt. Hierbei werden 35 Orte erwähnt, worunter Nemirow, Tulczhn, Bar, Polonnoie, Hömel, Starodub, Tschernigow, Pinsk, Brisk, Wolodkowa (?), Pereiaslaw, Prijatin, Lubin, Ostrog, Kremenez, Bilgoray, Chelm, Dubno, Hrubieszow, Korinza, Luzk, Narol, Tomaszow, Szczebrszyn, Biechow, Krasnik, Ulanow, Krasnabrod, Tarnogrod. Nun folgen Gebete für Kranke und ein Anhang mit mehreren Jiskor, worunter bemerkenswert Nr. 875 der berühmte Rabbiner Abraham Binjamin (Wolf) bar Elieser Aron Hamburg, der neben den Pflichten seines Amtes auch als Mohel, Vorbeter und Schofarbläser funktionirte; er war Verwalter und Rabbiner des Bet hamidrasch und der Klaus seines Großvaters, des R. Bärmann (Memorbuch der Klaus); von seiner großen Gelehrsamkeit zeugen seine hinterlassenen Schriften Kol Bochim, Alon Bachut, Schaar Sekenim, Simlat Binjamin und Nachalat Binjamin; er starb Mittwoch 4. Siwan610 (15. Mai 1850). Nr. 876 der berühmte Rabbiner Menachem Mendel b. Rastatt Kargau, der auch in der Zeit, wo er Geschäftsmann war, sich immer mit Thorastudium befaßte; er lebte eine Zeit lang in Paris, kam aber wieder hierher nach Fürth zurück, um viele Jahre hindurch durch Belehrung sich nützlich zu machen; das von ihm verfaßte Buch Gidule Tahara hat seinen Namen verewigt; er starb Erew Rosch Haschana 603 (24. September 1843). — Den Schluß bilden Nr. 877 bis 889 mit 13 Jiskor, wovon der letzte für die würdige Frau Limit, Tochter des R. Lipmann Rinds köpf') aus der Familie des Lipmann Heller, des berühmten Verf. der Tosafot Jom tof, Gattin des Sekel Sulzbach; starb 27. Nissan 6321872. Das zweite der in Fürth befindlichen Memorbücher ist dasjenige, welches dem Verein zur Erziehung von Waisenkindern angehört, wie aus dem Titelblatt ersichtlich ist (worin zugleich durch Punktirung gewisser Buchstaben!) Name einer alten aus Frankfurt a. M. stammenden Gelehrtenfamilie; vgl. Deutzer Memorbuch eä. Jellinek S. 33 ff. 57.