Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Karl der Große und Kalonymos aus Lucca
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 5)
- Language
- German
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86 I. Aronius, Karl der Große und Kalonymos aus Lucea. so scheint das auf einer Verwechselung zu beruhen. Elasar von Worms nämlich spricht einmal von Jbu Arun, dem Sohne des Samuel Nasi aus Babtzlonien, welcher von dort flüchten mußte, und erzählt dann weiter: „So kam er nach der Lombardei in eine Stadt Lucca. Dort fand er den R. Moses, der da ein Peitan war--und überlieferte ihm alle seine Geheimnisse (d. h. die Geheimnisse der Ordnung der Gebete). Dieser ist der R. Moses, Sohn des R. Kalonhmos, Sohnes des R. Meschullam, Sohnes des R. Kalonhmos, Sohnes des R. Jehuda. Dieser war der erste, welcher auswanderte aus der Lombardei, er mit seinen Kindern R. Kalonhmos und R. Jekuthiel, und sein Verwandter R. Jthiel und noch andere angesehene Männer. Diese brachte der König Karl mit sich aus der Lombardei und ließ sie wohnen in Mainz" ') u. s. w. In der Geschichte vom Machir dürfte der babylonische Ursprung des Lehrers auf den Schüler übertragen sein. Auch der Philomena scheint etwas von der Herkunft der Judenkönige aus dem Khalifenreiche gewußt zu haben, da er sie zu dem Geschlechte Davids und „Baldachs" rechnet.^) Baldach als Personenname ist ganz unverständlich, dagegen wird dieser Namen im Mittelalter oft für Bagdad gebraucht. Schon dieser freilich dunkle Ausdruck des Philomena läßt schließen, daß die Erzählung vom Machir verbreiteter gewesen ist, als die von R. Meir mitgeteilte, aber noch andere Gründe sprechen dafür, daß letztere nur eine Familienüberlieferung gewesen ist. Thietmars Bericht, den wir bei Meir wiederfanden, kann nur auf zwei Wegen nach Narbonne gekommen sein. Entweder nämlich hat man dort den Thielmar gelesen, oder wenn dies nicht der Fall war — und wer möchte es glauben — so kann nur ein Angehöriger der Familie Kalonymos die Erzählung nach Narbonne gebracht haben. Wir müssen sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, daß dieser Einwanderer der Stammvater der späteren historischen Judenkönige ist, bei denen sich der Namen Kalonhmos nicht selten findet. Nur so erklärt es sich, daß die Erzählung von der Heldenthat des ersten Kalonymos nicht allein in Narbonne bekannt geworden, sondern sogar mit den dort schon umlaufenden Sagen verbunden worden ist, mit denen sie, wie der Philomena zeigt, nicht in innerem Zusammenhange steht. Auch konnten nur die fürstlichen Nachkommen des Kalonymos darauf verfallen, ihre Würde auf das Verdienst gerade dieses Mannes zurückzuführen, und wenn wir nun noch bedenken, daß dieser ganze Kreis von ^agen sich in Narbonne ausgebildet hat, so ist auch klar, weshalb Karl der Große an die Stelle Ottos II. getreten ist. Von Otto kann man in Narbonne nicht viel gewußt haben, von Karl um so mehr. Wenn die Juden in der Stadt diesem so wichtige Einrichtungen zu verdanken glaubten, so verstand es sich für sie von selbst, daß auch das Judenkönigtum sein Werk war, er mußte es also gewesen sein, dem der Ahnherr der Judenkönige das Leben gerettet hatte. Ganz natürlich, daß nun auch von einer Einwanderung nach Mainz keine Rede ist, sondern nur von einer solchen nach Narbonne. Denn damit kann H Neubauer in Israelit. I^etterdoäe X. x. 113. 2) S. oben.