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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 1 · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 1
Article
Karl der Große und Kalonymos aus Lucca
Date
1888-01-01
Page
Seite 85 (sequence 4)
Language
German
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I. Aromus, Karl der Große und Kalonymos aus Lucca. 85 knüpft mit der Geschichte des Kalonymos wie sie Thietmar erzählt, nur ist die Szene nach Narbonne verlegt, für Kaiser Otto ist König Karl eingetreten, unzweifelhaft Karl der Große. Daß aber diese Aenderung zugleich den historischen Vorfall in Sage verwandelt, ist offenbar, denn nicht nur, daß es doch ein wunderbarer Zufall wäre, wenn Karl in eine ähnliche Lage wie Otto II. geraten und auf ähnliche Art aus ihr gerettet worden wäre, so sieht man auch noch deutlich, daß die Nachricht sich ursprünglich nicht auf Karl bezogen haben kann. Während nämlich die Verlassenheit Ottos II. sich aus der Vernichtung seines Heeres erklärt, steht die Treulosigkeit der Großen gegen Karl bei einem nicht sehr bedeutenden Unfall mit allem in Widerspruch, was Sage und Geschichte sonst in dieser Beziehung berichten. Es kommt hinzu, daß der Philomena von der That des Kalonymos offenbar nichts gewußt hat, daß die Erzählung davon bei Meir also nicht zu den allgemein verbreiteten Sagen von der Narbonner Judenschaft gehört hat. Sie muß auf den engeren Kreis der dortigen Juden beschränkt geblieben sein. Aber auch unter ihnen war diese Form der Sage von dem Judenkönigtum nicht so allgemein verbreitet, daß sich nicht noch eine andere, die uns in einer älteren Ueberlieferung vorliegt, hätte bilden können. Ich meine die Erzählung vom R. Machir, die bisher nur auS Zacuto bekannt war, jetzt jedoch in Zacutos Quelle selbst vorliegt.Danach „bat König Karl den König von Babel, ihm Juden aus dem Stamme Davids zu schicken. Jener schickte ihm einen sehr berühmten, den N. Machir, diesen siedelte Karl in Narbonne an und gab ihm ein großes Gebiet, das er eben den Mauren abgenommen hatte. Machir heiratete die Tochter eines Großen der Stadt. Nach der Eroberung von Narbonne teilte der König die Stadt in drei Quartiere, eines erhielt der Statthalter Aymerich, eines der Bischof und das dritte R. Machir. Karl machte ihn zum Ritter und gab um seinetwillen den Juden der Stadt ausgezeichnete Privilegien und Rechte, wie in einer lateinischen, mit dem Siegel Karls versehenen Urkunde steht, die sie noch aufbewahren. Machir war das Haupt der Gemeinde.--Er und seine Nachkommen spielten dieselbe Rolle wie die babylonischen Exitarchen, sie waren die höchste Instanz für Entscheidungen und sie beherrschten die Juden mit Gerechtigkeit. Einer seiner Nachkommen war R. Todros der Nasi; seine Nachfolger waren nicht weniger berühmt als er, so Kalonymos, der neunzigjährig starb, sein Sohn R. Todros, der liturgische Stücke verfaßte. --Todros Nachfolger war sein Sohn, das ist der Nasi Kalonymos, der noch lebt^) und dessen Ruf allgemein verbreitet ist". Wie Philomenas Judenkönig ist R. Machir vom Stamme Davids, er erhält, wie jener nach Meir allein, nach Philomena mit den anderen Juden zusammen, ein Drittel der Stadt, die „Fürsten" der späteren Zeit sind seine Nachkommen, kurz, es kann kein Zweifel sein, daß die Sage in Machir den ersten Judenkönig sieht, er ist also kein anderer als Kalonymos bei R. Meir. Daß die Judenkönige aus der Fremde stammen deutet ja auch Meir an. Wenn ihnen hier babylonischer Ursprung zugeschrieben wird, 1) Neubauer in revus äes etuäe8 Mives X, x. 100 K. Zacuto Juchasin 84. 2) Dieser Kalonymos ist derselbe, den Benjamin von Tudela sah (itmerarirun I, 32 eä. ^.sker), was für die Datierung der Schrift wichtig ist.

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