Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Karl der Große und Kalonymos aus Lucca
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 2)
- Language
- German
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I. Aronius, Karl der Große und Kalonymos aus Lucca. 83 HuSalea), der Graf ist Herr der „großen Judenschaft". Dieser Ausdruck bezeichnet wohl nicht die Juden, sondern das Viertel, in dem sie wohnen. Sie wohnen indessen nicht alle beisammen, einzelne Hausen mitten unter den Christen, sowie auch Christen sich im Judenviertel finden. Diese Einrichtungen werden nicht selten aus Karl den Großen oder Karl Martel oder auch aus Pippin zurückgeführt, der eine oder der andere dieser Herrscher soll die Juden unter ihrem Könige sogar zu Herren eines Drittels der Stadt gemacht haben, was dann wohl so gedeutet worden ist, daß sie ein Drittel der Einwohnerschaft gebildet hätten. Genaueres über die Vergünstigungen, die ihnen Karl der Große gewährt haben soll, erzählt der Philomena, ein wenig rühmenswerther südfranzösischer Roman aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, der in die Gründungsgeschichte des Klosters Notre Dame äe 1a (Trasse, das er zu verherrlichen bestimmt ist, allerlei Sagen über eine Belagerung von Narbonne durch Karl den Großen verflicht.^) Danach fordern die Juden in der Stadt den König der Araber, Matrandus, aus, mit Karl zu unterhandeln, da die Stadt doch nicht zu halten sei. Als Matrandus darauf nicht eingeht, wählen sie den Isaak und zehn andere und schicken sie mit 70000 Mark Silber zu König Karl, der sie in Gegenwart des Papstes und aller Großen des Heeres empfängt. Isaak fleht zunächst um Gnade sür die Juden wie auch für die übrigen Einwohner der Stadt. Nachdem diese Bitte gewährt ist, fordert er noch von Karl die Zusage, daß immer in Narbonne ein König aus jüdischem Stamme sein solle, „weil es so sein müsse und auch gegenwärtig so sei." Auch ihn und die anderen Gesandten habe dieser König, der vom Stamme Davids und Baldachs sei, geschickt und in seinem Namen bringe er das Geld.-) Endlich fordert er Karl auf, die Stadt auf der Seite der jüdischen Besitzungen anzugreifen, weil sie dort eine Strecke von hundert Ellen und mehr besetzt hielten und keinen Widerstand leisten würden. Karl bewilligt alles, nimmt das Geld und entläßt die Gesandtschaft. Den ersten Versuch der Juden, die Stadt den Feinden auszuliefern, vermag zwar Matrandus noch zu vereiteln, aber nachdem er dann gefallen, besetzen sie seinen Palast und die xorta re^ia und lassen die Franken durch diese hinein. Nachdem die Stadt erobert ist, setzt Karl einen Erzbischof ein und übergiebt ihm ein Drittel der Stadt, ein anderes erhalten die Juden, den Rest Ahmerich, den er zum Grafen einsetzt. Auch bekommen die Juden einen König nach ihrem Willens) Der Urtext ist nicht gedruckt, sondern nur eine ziemlich gleichzeitige lateinische . Übersetzung, die Ciarnpi berausgegeven hat: Zesta. Paroli ^laZni ad OareassoiiArü et Rardonara, Floren? 1823. Philomena ist eigentlich nicht der Titel des Romans, sondern der Name des Verfassers, der sich als Hofhistoriograph bezeichnet und im Heere Karls des Großen gewesen sein will, Kesta, Paroli x. 26, s. kist. litt, äe 1s. Kranes XXI, x. 373 t?. 2)?raeterea. roZamuL vos, nt semxer 8it in Rardona. rex äs Zente no8tra, HrwuiarQ ita. äedet esse et e8t Iwclie. Lt ex parte ixsiris nc>8 v<>8 venirQU8, et 68t cle Zenere Vaviäi8 et Laläaelii, et mittit vobis xer no8 70 rnilia iua.rena8 arZenti, et 8i g1u8 vultis, xlus ks.de biti8. 6e8t. x. 98 k. 3) Zimiliter aliarn tertiara xaitem eivitati3 cleäit Inäa.ei8, hui eara ei reääiäerunt) et äsäit ei8 reZem aä volnntatem eorura, x. 103. 6*