Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Karl der Große und Kalonymos aus Lucca
- Date
- 1888-01-01
- Page
- 82 (sequence 1)
- Language
- German
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Karl der Große und kalonymos aus Lucca. Von I. Aronius. Es wird fast allgemein angenommen, daß es Karl der Große gewesen, der den Kalonhmos aus Lucca nach Mainz xersetzt hat. Zwar hatte schon GiesebrechL aus der Erzählung des Thietmar von der Rettung Ottos II. durch den Juden Kalonymos geschlossen, daß jenes Ereignis in die ottonische Zeit falle, aber so viel ich sehe ist diese sehr ansprechende Vermutung erst von Breßlau beachtet worden') Dabei kann man nicht einmal sagen, daß die herrschende Meinung auf guter Ueberlieferung beruht, denn die älteste Quelle dafür ist Elasars Rokeach aus dem 13. Jahrhundert, außerdem giebt es nur sehr späte und zumeist ausländische Quellen, wie Salomon Luria, Joseph ha Cohen u. s. w., die noch dazu keineswegs unter sich übereinstimmen. 2) Da hätte wohl schon das Schweigen solcher Quellen, wie es die gleichzeitigen karolingischen sind, zu Gunsten Giesebrechts entscheiden sollen. Indessen, wie unzuverlässig auch jene Ueberlieferung ist, vorhanden war sie doch, und man muß ftagen, wie sie hat entstehen können. Aus diese Frage hat schon Prof. Breßlau eine Antwort gegeben, bei der man sich beruhigen könnte^) die aber den Versuch einer anderen Erklärung oder vielmehr einer Ergänzung nicht von vornherein ausschließt. Wir müssen zu diesem Zwecke die merkwürdigen Einrichtungen der Judengemeinde in Narbonne betrachten, über die wir aus dem 13. Jahrhundert gute Nachrichten haben.Verschiedene Umstände, die milde Herrschaft der Araber, die Rücksicht auf die Bedürfnisse der Handelsstadt, das Fehlen einer nicht ausschließlich nach dieser einen Rücksicht handelnden starken Königsgewalt haben die Lage der Narbonner Juden zu einer ganz besonders glücklichen gemacht. Sie haben im Gebiet von Narbonne so großen und zusammenhängenden Grundbesitz, daß die betreffende Gegend den Namen aUoäium oder villa Mäaiea erhielt. In der Stadt selbst hat nur ein Jude freilich sehr bedeutenden Grundbesitz, der Naxi oder Judenkönig. Der Bischof und der Graf haben jeder seine besondere Judenschast t) Thietmar III, 12, s. die Stelle bei Breßlau in dieser Zeitschrift I, S. 157. Giesebrecht: Kaiserzeit I. S. 849. 2) Es genügt, auf Zunz: Litteraturgesch. d. synagcgalen Poesie S. 104 ff. zu verweisen. s) In dieser Zeitschrift I, S. 158. N. 25. Das Folgende nach Saige: Iss juits äu I-anZueäoe x. 42 K, 68 A