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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 1 · p. Seite 62

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 1
Article
Briefe von und an Gabriel Riesser
Date
1888-01-01
Page
Seite 62 (sequence 16)
Language
German
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62 Briefe von Gabriel Rießer und M. A. Stern. eben diesen Umstand sehr hoch anrechne, ich verlange indessen von Niemanden, daß er diese Grille mit mir theile. Ich bin zu Ende und habe nur noch den Wunsch auszusprechen, daß Du diesen langen Brief Allen, denen irgend an meiner Meinung über den fraglichen Gegenstand gelegen sein könnte, mittheilen mögest. Hoffe ich auch kaum irgend einen Anklang für meine Ansichten zu finden, so wünsche ich doch, daß Jeder, den es angeht, so klar als ich es ihm machen kann, wissen möge, wie er in diesen Dingen mit mir daran ist. Hamburg Dein d. 28. November 1842. Gabriel Rießer. 2. Brief M. A. Sterns an Gabriel Rießer. Den 29. Deeember 1842. Lieber Rießer! Wenn ich mich erst heute anschicke, Deinen Brief vom 28ten Novbr. zu beantworten, so liegt der Grund nicht blos in überhäufter Beschäftigung, sondern wesentlich auch in dem Umstände, daß ich seit meiner Abreise von Frankfurt durchaus nichts über den weiteren Fortgang der begonnenen Bewegung erfahren hatte und daher weder zu antworten wußte, noch mich entschließen konnte so aufs Gerathewohl hin Deine Erklärung nach Frankfurt zu schicken. Unmittelbar nach Empfang Deines Briefes hatte ich über denselben an Th. Creizenach berichtet und angefragt, oö die Sachen in Frankfurt so ständen, daß es der Mühe Werth wäre Deinen Aussatz dorthin zu schicken. Erst heute erhalte ich Antwort wie. Du aus der Anlage ersehen wirst, und nun soll auch Dein Brief baldmöglichst — ich lasse ihn erst abschreiben — dorthin abgehen. Ich werde mir erlauben auch eine Abschrift dieses meines Briefes beizulegen, da ich es für Pflicht halte, indem ich Deine Ansicht verbreite, auch anzugeben, wo ich davon abweiche, und das ist gerade bei den wesentlichsten Stücken der Fall. Ich muß, ehe ich aus die eigentliche Sache eingehe, den Theil Deines Briefes zunächst beantworten, der sich auf ein Persönliches zwischen uns bezieht. Ich hatte die Vermuthung ausgesprochen, daß Du Dich der ursprünglichen von uns entworfenen Erklärung auf keinen Fall, vielleicht nicht einmal der späteren, die ich eine zahme zu nennen beliebte, anschließen würdest. Das nimmst Du sehr übel und verirrst Dich sogar bis zu der Vermuthung, daß ich Dich in Verdacht hätte, als wolltest Du es mit den Orthodoxen nicht ganz verderben. Ich sage verirrst Dich, wärest Du ein mir fernstehender Ehrenmann, so müßte ich eine solche Vermuthung für eine arge Beleidigung ansehen, wie es für ihn eine arge Beleidigung wäre, wenn ich ihn wirklich in einem solchen Verdachte hätte. Bei Dir kann ich es nur als eine Verirrung bedauern, die ich aber, meiner Ehre halber, mit Entschiedenheit zurückweisen muß. Und was konnte Dich

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