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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 1 · p. Seite 61

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 1
Article
Briefe von und an Gabriel Riesser
Date
1888-01-01
Page
Seite 61 (sequence 15)
Language
German
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Briefe von Gabriel Rießer und M. A. Stern. 61 ihrem Princip mit Bewußtsein so große und selbst so kleine Opfer, die oft noch schwerer werden, als die großen, — dann freilich flößt mir ihre Handlungsweise einen hohen Grad von Achtung ein, und ich werde sehr geneigt sein, mich ihr anzuschließen. Sollte es dagegen etwa auch einer ihrer Vorbehalte sein, daß rücksichtlich der Kehila eben sowohl wie des Staates alles beim Alten bleiben müsse, soll es nach der großen Erklärung in Frankfurt ganz so aussehen wie vorher, soll das erste Princip sein, keinen Vortheil, keine angenehme Gewohnheit aufzugeben; will man, nachdem man sich im Angesicht des christlichen Deutschlands in das Licht der charmantesten Ausklärung gesetzt hat, nichts desto weniger im unnatürlichen Bunde mit der entgegengesetzten Meinung, der man einen recht feindlichen Stoß ins Genick versetzt hat, aneinandergekettet bleiben, in einem Verhältnis;, wo immer einer Meinung, in der Regel beiden Unrecht geschieht, soll es endlich mit tem falschen Spiels das in Frankfurt seit 30 Jahren diejenigen mit dem alten Judenthume treiben, die zufolge der unseligen Verwirrung und Rechtlosigkeit der religiösen Verhältnisse zu dessen Leitung berufen sind, und die ihre Stellung benutzen, um es im Schmul) verfaulen zu lassen, auch beim Alten bleiben — dann freilich glaube ich einerseits, daß auch bei diesem Neformplan nichts weiter herauskommen wird , als was bei so vielen Anregungen in Deutschland herauskommt, nämlich ein Brochüren - Regen; andererseits sträubt sich dann auch mein Rechtsgefühl gegen die Lage, in welcher sich die Frankfurter Orthodoxen unter diesen Umständen befinden würden; denn so deutlich die Orthodoxie in neuester Zeit aller Orten an den Tag gelegt hat, daß sie keine Ahnung von Recht und Rechtssinn hat, so bin ich doch noch nicht auf den Standpunkt gelangt, ihr Gleiches mit Gleichem vergelten zu wollen. Eine Andeutung Deines Briefes in Verbindung mit früheren Äußerungen bringt mich darauf, Du könntest mich vielleicht fragen, wie ich mich denn bei meiner Achtung vor entschieden und bei meinem Widerwillen gegen halbe Reformen, dem Hamburgischen Tempelverein habe anschließen mögen, dessen Reformen doch gewiß halbe und unbedeutende sind. Die Beantwortung dieser Frage wird eine der Aufgaben meiner im Eingange erwähnten Schrift bilden; es würde zu weit führen, wenn ich sie hier geben wollte. Nur des bemerke ich, daß der Tempel auf die Anregung solcher Reformfragen, wie die hier in Rede stehenden, vom Anfange seines Bestehens an nie Anspruch gemacht hat, daß er sich zu ihnen ganz fremd und untergeordnet, sie so wenig fördernd als sie aus irgend eine Weise hemmend oder ihnen vorgreifend, verhält; darum kann er auch von den hierauf bezüglichen Einwendungen nicht getroffen werden. Ich nehme für die Tempelreform sehr gern das Geigersche Epitheton der „unschuldigen" an, so unpassend ich auch die Bezeichnung, eben so wohl wie des „Opposition-Instituts" vom religiösen Standpunkt aus finde. Ich nehme das Beiwort sogar in anderem Sinne mit Wärme für den Tempelverein in Anspruch, indem ich in der That glaube, daß er der einzige religiöse Verein ist, an welchem keine Schuld des Zwanges und des Unrechts haftet. Du erinnerst Dich vielleicht aus meinen früheren Mittheilungen, daß ich ihm

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