Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Briefe von und an Gabriel Riesser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Briefe von Gabriel Rießer und M. A. Stern. knöcherung zu retten und namentlich der religiösen Erziehung der Kinder einen neuen Haltepunkt zu geben. In einer bald darauf gehaltenen größeren Versammlung aber wurden diese Sätze noch einmal berathen und nach längerer Debatte durch Stimmenmehrheit beschlossen, die Erklärung dahin zu ändern, daß Alles, was die Bibel berührte, herausgelassen werde; man würde sonst mit den Staatsbehörden in Collision kommen, und die überwiegende Zahl der Juden würde ebenfalls Bedenken tragen, einer so weit gehenden Erklärung sich anzuschließen: es sei schon unendlich viel gewonnen, wenn man nur vom Talmud sich lossagte; dazu ihre Zustimmung zu geben würde eine große Zahl keinen Anstand nehmen. Demnach sollten die Nummern 2 und 3 wezbleiben. Die neue Erklärung wurde nun in folgender Gestalt angenommen: 1. Wir erkennen in der mosaischen Religion die Möglichkeit einer unbeschränkten Fortbildung. 2. Die gewöhnlich unter dem Namen Talmud bezeichnete Sammlung von Controversen, Abhandlungen und Vorschriften hat für uns weder in dogmatischer noch in praktischer Hinsicht eine Autorität. 3. Ein Messias, der die Juden nach dem Lande Palästina zurückführe, wird von uns weder erwartet noch gewünscht; wir kennen kein Vaterland als dasjenige, dem wir durch Geburt und bürgerliches Verhältnis angehören." Diese Beschlüsse waren Gabriel Rießer durch M. A. Stern mitgetheilt worden. Das ausführliche Schreiben, in welchem sich Rießer über dieselben ausspricht und die Antwort Sterns werden nun unten publicirt. Von dem ersten gibt Jsler S. 357—359 eine Analyse, von dem Briefwechsel selbst bemerkt er: „er verdient es, vollständig veröffentlicht zu werden." L. G.