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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 1 · p. 47

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 1
Article
Briefe von und an Gabriel Riesser
Date
1888-01-01
Page
47 (sequence 1)
Language
German
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Griefe von und an Gabriel Meßer. Mitgetheilt von M. A. Stern. Die unten folgenden Schriftstücke, von Herrn Prof. M. A. Stern, dem Schreiber von Nr. 2 und Adressaten von Nr. 1 selbst übersendet, enthalten bedeutsame Aufklärungen über eine längst historisch gewordene Bewegung. Sie verdiente in hohem Grade eine geschichtliche Darstellung; die wenigen Bemerkungen bei Graetz, Gesch. d. Juden XI, 558 fgsind oberflächlich. Ich vermag jedoch nicht, diese Darstellung zu geben, begnüge mich daher mit dem folgenden zum Verständnis der Briefe durchaus notwendigen Hinweise, welchen ich aus dem oben Bd. I S. 366 genannten Werke Jslers S. 354 ff. entnehme. „In Frankfurt traten gegen Ende des Jahres 1842 mehrere Männer zusammen, um die weite Kluft Zwischen Leben und Gesinnung^ dauernd auszufüllen; aus ihren Besprechungen gingen fünf Sätze hervor, die von jedem sich Anschließenden anerkannt und unterschrieben werden sollten, in welchen sie erklärten, daß sie 1. Die mosaische Religion einer fortdauernden EntWickelung für fähig hielten; 2. Die aus dem ehemaligen Staatsverbande hervorgegangenen Ritual-, Speise- und andere auf körperliche Uebungen bezüglichen Gesetze, sowie namentlich 3. Die Beschneidung als einen religiösen Act oder ein Symbol nicht für verbindlich hielten; 4. den Talmud nicht als Autorität anerkannten; 5. Einen Messias, der die Juden nach Palästina zurückführen solle, weder erwarteten noch wünschten, sondern das Land, dem sie durch Geburt oder bürgerliche Stellung angehörten, als ihr alleiniges Vaterland ansähen. In einer vorausgeschickten Einleitung erklärten sie ausdrücklich, daß sie diesen Schritt keineswegs in der Absicht thäten, um sich etwa dadurch der Emancipation näher zu bringen, daß sie diese vielmehr als Sache der Humanität für alle Juden gleichmäßig in Anspruch nähmen; der gegenwärtige Schritt dagegen lediglich Gewissenssache sei, zu dem sie sich verpflichtet sühlien, um den Zwiespalt zwischen ihrer Gesinnung und der Praxis an den Tag zu legen und die Religion von ihrer unvermeidlichen Ver-

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