Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 363 Willkür abhängig, das Weib im gesetzlichen Staate schutzlos sein? Ebendas können ja keine Gründe sein, als sie bei jüdischen Ehescheidungen vorkommen; und doch sollen dieselben ferner bestehen, aller bessern Ordnung zum Trotz?" — Sehr schwach ist des Autors Verteidigung der Abgaben, seine Rechtfertigung des Gebotes, daß die Juden wieder ins Ghetto zurückmüssen. Er schiebt dem Gesetze Grundsätze unter, die es gewiß nicht hat (S. 23 sg. 24 fg.) - Auf die Geschichte der Frankfurter Juden-Städtigkeit komme ich vielleicht später zurück; das Frankfurter Archiv besitzt darüber noch viele Urkunden, deren Ausbeutung lohnend wäre. Durch die Güte meines Bruders, Herrn Or. Berthold Geiger in Frankfurt a/Main, welchem ich auch die eben analhsirten Brochüren verdanke, erhalte ich Copien zweier Aktenstücke aus dem Archiv der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a/M. Das eine ist ein Protokoll über eine Sitzung (4. Jan. 1808) jüdischer Gemeindedeputirten, Bürgermeister der Stadt und Commissare des Fürsten. In demselben wird mitgetheilt: Dem am 22. Dez. ausgesprochenen Verlangen der Juden, die ganze Städtigkeit kennen zu lernen, kann nicht stattgegeben werden. Das Concessionsgeld wird als Ersaß für 29 einzeln ausgeführte jetzt fortfallende kleineren Abgaben bestimmt. — Das andere ist eine Zusatzbestimmung und besagt, daß alle Juden fortan Familiennamen haben müssen, daß die biblischen Namen: Abraham, Moses, Elias in Zukunft nur als Vornamen gebraucht werden dürfen. Exeurs S zu S 33« A. 1 Von den Beziehungen David Friedlaenders zu Zelter geben einige Briefe des Erstern mit ein paar Notizen des Letztern Kunde, welche ich ganz vor Kurzem (aus dem Antiquariat von L. Aepmannssohn in Berlin) erworben habe. Zu diesen Stücken gehört auch ein — für unfern Zweck bedeutungsloses — Autograph Kirnbergers, das Zelter an Friedlaender schenkte, und ein Brief Benoni's, des Sohnes Davids, an Zelter über Münzangelegenheiten. Die Briese Davids, obwol gewiß nicht vollständig, geben trotzdem ein hübsches Bild des anmuthigen Verkehrs, der zwischen beiden Männern herrschte. Am 17. März 1823 schickt Friedlaender einen Psalm in deutscher Übersetzung zur Composition: „Ich David, König, entbiete Dir, geistreiche Seele, die in Zelter wohnt." Am 1. Juni 1824 sendet er Tabak für Zelter und Hegel. Zelter hat auf die Rückseite gleich die Antwort geschrieben, die so beginnt: „Es ist Dir besser, daß Du mit einem Arm ins Himmelreich eingehst, denn daß Du hundert Arme habest und wie ein heidnischer Briareus zum ewigen Feuer verdammt seyst. Darum lieber Christ (denn lieber Jude darf man doch heut zu Tage nicht mehr sagen; das wollen ja die Juden selber nicht mehr aushalten) — noch lieber also: Lieber Friedlaender, tröste Dich mit einem." Am 9. Aug. 1825 sendet Friedlaender geliehene Bücher zurück und schreibt: „Die Jubelfeyer des edlen Freundes Professor Zelters haben wir 24*