Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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364 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. in unserem kleinen Kreise nach unserer Art mit einem Becher deutschen: Weins und deutscher Innigkeit, wenn auch ohne Sang und Klang, den 4. d. redlich begangen. Es ist das Scherflein der Wittwe. „Wohl uns, daß unsere Tage in die Tage dieses Meisters fielen," so sang der Alte, „Wohl euch, ihr Nachkommen," setzte er hinzu, „ihr werdet ihn erben, denn des Geistes Werke dauern ewig und die Töne seiner Lieder werden nie verhallen." Am 29. Mai 1827 empfiehlt F. einen historischen Aufsatz aus der Revolutionszeit zur Lectüre; als eine Art Nachschrift stehen die Worte: „Ihr Honigseim, Goethes Schrift, folgt morgen." Am 29. Dez. 1831 schreibt er in hebräischer Currentschrist und in hebräischer Sprache einen Empfehlungsbrief, gespickt mit biblischen Wendungen und höflichen Begrüßungen. Zelter starb, wenige Wochen nach Goethe, am 15. Mai 1832. Die Töchter des Verstorbenen übersendeten dem Freunde des Vaters ein Erinnerungszeichen; Friedl. bedankt sich für dasselbe in herzlichen Worten am 20. Okt. 1832. Exeurs « zu S SS« A S Das Vorstehende war längst gedruckt, als mir durch die Güte meines verehrten Freundes, des Herrn Berthold Simon in Berlin, zwei in seinem Besitze befindliche Originalaktenstücke bekannt wurden. Das eine ist ein Schreiben Friedrich Wilhelms III. als Kronprinzen „an den Kandidat Bendavid Hierselbst" vom 22. August 1797 und lautet so: „Aus die von dem Kandidaten der Rechte, Bendavid, wegen seiner fehlschlagenden Versorgungs- Aussichten unterm 20. August mir gemachte Anzeige, kann ich nur bedauern, daß Supplicant als gebohrner Jude seine, wissenschaftlichen Anlagen den Rechten gewidmet hat, ohne vorher über die würkliche Anwendung semer, nach der Anlage, erworbenen Kenntnisse, ohnfehlbare Gewißheit zu haben und kann ich gegen den seine Ausnahme im Königlichen Dienste untersagenden Befehl, um so weniger demnach mich für seine Anstellung verwenden, dk ich von den Regierungs-Geschäften ausgeschlossen und den Königlichen Befehlen gemäs zu handeln vorzugsweise verbunden bin." Das zweite „an den LenäavLS genannt Bendar" vom 25. Dez. 1797 hat folgenden Wortlaut: „Se. Königl. Majestät von Preußen können dem LevckavicZ, auf sein anderweites Gesuch vom 24. d., bey der Justiz angestellet zu werden, nur auf die ihm dieserhalb bereits erteilten Bescheide verweisen, und nun es hierbey sein unabänderliches Bewenden behalten znuß." Bendavid hat also, wie man sieht, nicht weniger als vier Versuche gemacht, in die Justizcarriere einzudringen und erst nach viermaligem Mißerfolg die Bemühungen aufgegeben.