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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 359

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 359 (sequence 39)
Language
German
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Qldwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 359 geführt, kaum ein Obdach, kaum eine kümmerliche Nahrung und Wartung finden konnte, dem aber die zähe orientalische Natur so gut nachhalf, daß er vollkommen und ohne die mindeste Beschwerde sich mit Entzücken geheilt sah. Als man ihn fragte, ob die Operation geschmerzt habe, so sagte er nach der hyperbolischen Weise: „Wenn ich eine Million Augen hätte, so wollte ich sie jedesmal für ein halb Kopfstück sämmtlich nach und nach operiren lassen." Bei seinem Abwandern betrug er sich in der Fahrgasse ebenso excentrisch; er dankte Gott auf gut alttestamentlich, pries den Herrn und den Wundermann, seinen Gesandten. So schritt er in dieser langen, gewerbreichen Straße langsam der Brücke zu. Verkäufer und Käufer traten aus den Läden heraus, überrascht durch einen so seltenen frommen, leidenschaftlich vor aller Welt ausgesprochenen Enthusiasmus; Alle waren angeregt zur Theibiahme, dergestalt, daß er, ohne irgend zu fordern oder zu heischen, mit reichlichen Gaben zur Wegezehrung beglückt wurde." — Herr vr. B. erinnert auch an die Erwähnung der jüdischen Gebetschnüre, Briefe an Frau v. Stein I, 335. — Ob Goethe in Frankfurt auch einige Kenntniß der Synagogal-Musik erlangte? Ich finde in der Beschreibung der „Jtal. Reise," Correspondenz 1. März 1788, eine Stelle über eine aus dem Ansang des 18. Jahrh. herrührende Psalmensammlung des Benedetto Moriello, in welcher es über den Componisten heißt: „Er hat bei vielen die Intonation der Juden, theils der spanischen, theils der deutschen als Motiv angenommen." Exeurs S zu S. 32S A. 3. Über den geschäftlichen Verkehr Elkans mit Goethe habe ich nicht viel in Erfahrung bringen können. (Einzelne Notizen G. I. I, 279, II, 307, VII, 274, Vm, 168.) Für den persönlichen Verkehr spricht die Notiz im Goethe-Zelter^chen Briefwechsel IV, 360 (1827 vgl. auch das. 340): „ Die kleine artige Elkan aus Weimar----will gerne etwas für Dich mitnehmen." Im Register des Briefwechsels werden beide Stellen irrthümlich auf Madame Elkan bezogen, während sie sich in Wirklichkeit auf Fräulein Elkan beziehen. Die Betreffende, die jetzt noch als würdige Greisin — Frau Vr. Johanna Veit, Wittwe von vr. Moritz Veit — in Berlin lebt, hatte selbst die Güte, mich auf diesen Jrrthum ausmerkam zu machen. Sie besuchte, wie sie mir in liebenswürdigster Weise erzählte, mit jenem Zelterschen Briese Goethe und wurde von ihm freundlich aufgenommen. Sie mußte viel von Berlin berichten und wurde durch Goethes Fragen und Aufforderungen zu immer weiteren zutraulichen Berichten ermuntert. Bon Goethes Bemerkung sind der Erzählerin besonders zwei in Erinnerung geblieben: die eine, angeregt durch ihre Erzählung von dem Bau des alten Museums und der in Folge dessen stattgehabten Veränderung des Lustgartens, der Niederwerfung vieler alter Bäume, „daß nämlich die Architecten, wenn sie ihre Pläne ausführen wollten, nicht auf die Umgebung Rücksicht nehmen könnten;" die andere, ein Urtheil über zwei junge Berliner, deren Besuch Goethe damals gehabt, Partheh und Gans (vgl. oben S. 357 fg.): „Beide seien sehr tüchtig, Gans ein bedeutender Jurist."

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