Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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358 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. gehört/) der große Jurist, der in seiner Wissenschast eine bedeutsame Umgestaltung hervorrief, hat uns zwei Goethe-Reden hinterlassen aus den Jahren 1825 und 1826.^) In beiden feiert er die Universalität des Goetheschen Wesens, den innigen Zusammenhang, in welchem die deutsche Literatur zu ihm steht. Eine Stelle, in der er eine Gesammtcharacteristik Goethes zu geben versucht, lautet so: „Andere haben die Natur gesehen, er hat sie zur Durchsichtigkeit gezwungen. Andere leben in der Kraft, die Kraft lebte in ihm. Da ist kein Gebiet der Geschichte, das er nicht betreten, und keine Form, zu der er sich nicht gewandt hätte. Er hat nicht um Tagelohn an den Gruben des Orients gehämmert, aber den Divan Verwestlicht. Bon den Farben des Lichts, von der subjectivsten Menschlichkeit bis zu orientalischer, griechischer, römischer, christlicher Sittlichkeit hat er das Wahre und Schöne erkannt und es zu unserm Eigenthum gemacht. Die gebildete Welt erkennt ihn als Herrn und Meister. — Schönthuende Geister haben Goethe den Jüngling, Goethe den Mann, Goethe den Greis auseinandergelegt, und sich herausgenommen, was ihnen beliebte. Ich liebe Goethe den Jüngling, Goethe den Mann, Goethe den Greis. Sie lieben ihn mit mir. Es lebe denn der eine Goethe, ganz und ungetheilt." G X c u r f e. Exeurs 1 zu S 322, A. 1 Eine seltsame Begegnung mit einem Juden in Frankfurt findet sich erzählt in „Dichtung und Wahrheit" Ende des 17. Buches (Herr vr. Bielschowskh hat mich nachträglich aus dieselbe aufmerksam gemacht). Goethe erzählt a. a. O. von Jung-StillingS Aufenthalt in Frankfurt und seiner verunglückten Augenoperation bei Herrn v. Lersner, anderen glücklicheren Fällen und fährt fort: „Denn so machte uns im Einzelnen ein alter blinder Betteljude aus dem Jsenburgischen zu lachen, der, in dem höchsten Elend nach Frankfurt 1) Vgl. die Notiz in G. Partheys amnuthigem Büchlein ..Ein verfehlter und gelungener Besuch bei Goethe." 2. Aufl. Berlin 1883, S. 64. 66 und die Meldung Ratzels (III, 301), G. sei dabei gewesen, als Konig Ludwig von Bayern zu Goethe kam. (Eine gelegentliche Erwähnung Gans' im Goethe-Zelterschen Briefw. V, 362). Besonders aber ist zu vgl. Gans' eigene Schilderung: Rückblicke auf Personen und Zustände Berlin 1836 S. 305—321: „Goethe an seinem Geburtstage,- wo er die mit Goethe geführten Gespräche über Berlin, über die Jahrbücher für wissenschaftliche Critik, über Philosophie nnd Schillersche Dramen ausführlich analysirt. 2) Ed. Gans, Vermischte Schriften 2. Band, Berlin 1834 S. 237—241, unsere Stelle S. 238 fg.