Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 344 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2259275-2259313-2259318-2263433--0392-2263503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

344 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. zeichnen darf. Unsere Stelle, die übrigens als Ergänzung zu dem oben S. 334 fg. über Mendelssohn Vorgebrachten aufgefaßt werden mag, dort aber nicht benutzt werden konnte, weil sie nicht bestimmt als Goethes Eigenthum erwiesen ist, findet sich in einer Besprechung von I. B. Kölbele's „Versuch über die Wunder . . . nebst einigen Zusätzen über die Mendelsonischen (8le) und Kölbelischen Religionsstreitigkeiten." Dort heißt es: „ Keine Hypochondrie in der Welt, selbst nicht der brausendste Religionshaß, konnte einen billig denkenden vernünftigen Mann verleiten oder berechtigen, die Ehrfurcht, die das denkende Publikum dem rechtschaffenen Israeliten Mendelssohn weihet, für die Frucht eines niederträchtigen Gewerbs so offenbar fälschlich und hämisch auszuschreyen. Nur ein Mann, bey dem der Religionshaß und die Disputirsucht Leidenschast geworden ist, konnte schreiben; „Gemeine Journalisten können leichtlich den Juden schuldig seyn, von reichen Juden Geschenke nehmen, bey reichen Juden schmarutzen, auch durch der Juden Borschub ein Ämtchen suchen. Kein Wunder, wenn sie Mendelssonen Altäre bauen u.s.w." Denkt der H. K. so unmenschlich, daß er gegen einen großen Theil der Menschen darum keine Pflichten zu haben glaubt, weil sie Juden sind? Liest er so ganz ohne Gefühl, ist er so ganz ausgestopft von Vorurtheilen, daß er den Beyfall, den die Mendelsonischen Werke bey allen Vernünftigen erhalten haben, wo anders suchen kann als in ihrem innern Werth? Warlich, wenn Mendelssohn alle Schätze, über die er gebieten kann, anwenden wollte, seine Schriften verschrehen zu lassen, er würde es eben so wenig können, als er damit den Kölbelischen mehr als ein ephemerisches Lob erkaufen könnte. Wenn Hr. K. den Mann, der ihn mit nichts beleidigte als mit der Gelassenheit, mit welcher er seinen Zudringlichkeiten ausweicht, der Wahrheit aufrichtig sucht, der die Religion semer Väter nicht ohne Überzeugung verlassen will; und dessen Charakter eben so rein als sein Lebenswandel untadelhaft ist; wenn er den noch immer mit gröbern Beleidigungen anfallen will, als diejenigen waren, die er vorher ausstieß und die das orthodoxeste Publikum nicht billigen kann, so darf er sich nicht wundern, daß er, auch da, wo er die Wahrheit sagt, nichts gutes stiftet und daß jeder Leser von Gefühl denen beystimmt, die ihn geiseln. Wenn Hr. K. gegen die Kritik so unempfindlich ist, als er, trotz den unaufhörlichen Seitenblicken auf die Journale uns glauben machen will; so seh er doch wenigstens empfindlich gegen wahres Verdienst. Zu seinem Glück ist Mendelssohn mit zu viel Wahrheit Philosoph, als daß er auf einen solchen Gegner achten, oder solche von dem ganzen Publikum verabscheute Angriffe rügen sollte/") Nicht blos in dieser aus Goethes Jugendzeit herrührenden Schrift finden sich derartige Stellen, sondern auch in Schriften aus Goethes Alter; Stellen, die, weit entfernt davon, Goethe zu dem zu stempeln, was man im gewöhnlichen Sinne einen Judenfreund nennt, doch das Bestreben bekunden, über das ') In denselben Fftr. gel. Anz. findet sick, (Neudruck S. 365) eine kurze Besprechung einer französischen Übersetzung des Phaedon. Sie bezieht sich aber mehr auf den Unterschied und Gegensatz des deutschen und französischen Wesens als auf Mendelssohns Schrift. Die üb.rigen Stellen jenes Bandes der genannten Zeitschrift, in welchen Mendelssohns Name genannt wird, bedeuten nichts.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.