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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 342

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 342 (sequence 22)
Language
German
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342 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. werfen ist. — Noch weniger gehört die Stelle aus dem „Venetianischen Epigramm" Nr. 67 hierher: Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge Duld' ich mit ruhigem Blut, wie es ein Gott mir gebeut. Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider Biere: Rauch des Tabaks, Wanzen und Knoblauch und -s denn „Knoblauch" bedeutet hier gewiß nur das starkriechende Gewächs, das Goethe besonders unangenehm war. Statt in „Wilhelm Meisters Lehrjahren" einen Juden vorzuführen, wie er anfänglich beabsichtigte, begnügte sich Goethe in diesem 1795 erschienenen, aber in seinen wesentlichen Bestandtheilen weit früher gearbeiteten Roman mit wenigen und ganz unbedeutenden Erwähnungen: ein Jude wird als Pferdeverkäufer angeführt; einer fürchtet für einen jüdischen Spion gehalten zu werden; Haartracht und Gewandung verrathen den Juden. ^) Auch die eine Stelle im „Reineke Fuchs" ^) (1794 erschienen, 10. Gesang), in welcher Reineke dem Könige von einem Ringe spricht, in welchem Lettern eingegraben waren es waren Drei hebräische Worte von ganz besonderer Deutung. Niemand erklärte so leicht in diesen Landen die Züge; Meister Abryon nur von Trier, der konnte sie lesen. Es ist ein Jude und alle Zungen und Sprachen Kennt er, die von Poitou bis Lüneburg werden gesprochen. Und auf Kräuter und Steine versteht sich der Jude besonders würde nicht viel bedeuten, wenn sie von Goethe wäre — sie ist aber nur eine Wiedergabe des niederdeutschen, durch Goethe neu gestalteten Originals. Die Stelle im „Divan" endlich: Zu genießen weiß im Prachern Abrahams geweihtes Blut, Seh' ich sie im Bazar schachern, Kaufen wohlfeil, kaufen gut klingt wie ein Wiederhall der früheren Stellen aus dem Zwischenspiel im „Jahrmarktsfest." Im Ganzen sind alle diese Stellen nur Hindeutungen auf die Handelsthätigkeit der Juden mit ein paar ironischen Seitenblicken; Die wenigen Stellen find bei Hehn, a. a. O. zusammengetragen; ein längeres Verweilen bei denselben ist überflüssig. 2) Hehn, der nur eine Zeile aus unserer Stelle anführt, citirt ferner die Stelle des 5. Gesanges: „Hüsterlo nennen die Leute Jenen Busch, wo Simonet lange, der Krumme sich aufhielt. Falsche Münze zu schlagen." als wenn sie sich auf einen Juden bezögen. Dagegen möchte ich bemerken, daß der Name «Simonet" weit eher einen Italiener bezeichnen konnte als einen Juden, daß ferner das Epitheton „krumm" nicht ausreicht, um die Stelle auf einen Juden zu bezieben, daß endlich auf das Wort „schlagen" die von Hehn ausgelassenen Worte „mit seinen verwegenen Gesellen" folgen, die jedenfalls eher auf eine Falschmünzer¬ und Räuberbande gedeutet werden müssen.

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