Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 341 (sequence 21)
- Language
- German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 341 Und dieses schlaue Volk sieht einen Weg nur offen: So lang' die Ordnung steht, so lang' hat's nichts zu hoffen. Es nährt drum insgeheim den fast getuschten Brand Und eh' wir's uns versehn, so flammt das ganze Land. Die Juden als Händler, als ihren Vortheil im Auge haltende Kaufleute zu betrachten, hatte Goethe in Frankfurt reichliche Gelegenheit. Merkwürdig genug, daß er so selten von ihnen spricht. Nur einmal noch, im „Clavigo" (1774) sagt Buenco, da er nicht will, daß Marie dem schwankenden treulosen Clavigo zugesprochen werde: „Inst als wäre diese vortreffliche Seele eine verdächtige Waare, die man am Ende dem Käufer doch noch nachwirst, wenn er euch schon durch die niedrigsten Gebote und jüdisches Ab- und Zulaufen bis aufs Mark gequält hat."') Etwa zwanzig Jahre später ist eine ähnliche Erwähnung. In dem Gedichte „Ritter Curts Brautfahrt" 2) wird geschildert, wie Curt nach mancherlei Irrfahrten für seine Braut Geschenke besorgen will. Er wählt in den Buden des Jahrmarktes Manches aus, doch vermag er weder sich des Gewählten zu erfreuen, noch Anderen damit Freude zu bereiten, „Aber ach, da kommen Juden Mit dem Schein vertagter Schuld. Ein paar Verse aus den „Zahmen Temen," 5. Reihe, entstanden 1820, die ich mir bereits notirt hatte, bevor mich D. Jacobys Güte darauf verwies, Jude. Sie machen immerfort Chausseen, Bis Niemand vor Wegegeld reisen kann. die als Einleitung zu den folgenden Versen: Student. Mit den Wissenschaften wirds auch so gehen. Eine jede quält ihren eigenen Mann. stehen, bieten nichts Characteristisches für den Juden, sondern für die Verkehrsweise jener Zeit; die Verse geben, wie v. Loeper bemerkt (Hempel lH, 2. Aufl. S. 190) „eine Parallele der räumlichen Verkehrsmittel und der geistigen Bildungsmittel in ihrem Aufschwünge um 1820;" „Jude" steht hier für den professionell Wandernden überhaupt, der eben seiner vielfachen Reisen wegen, die Verkehrshemmungen stärker fühlt als Andere, nicht aber für den, der etwa seines Glaubens wegen besonderen Beschränkungen unter- 2) Clavigo, Akt 3, Anfang. Auf diese und die folgende Stelle hat mich Daniel Jacoby freundlichst hingewiesen. 2) Das Gedicht ist zwar erst 1804 gedruckt; da aber seine Quelle, Bassompieres Memoiren 1795 von Goethe gelesen und sonst benutzt wurde, und da der Titel auf einem 1793 erschienenen Gedichte nachgebildet zu sein scheint, so glaube ich dasselbe gegen v. Loepers Meinung (Hempel I, 2. Aufl. S. 364) dem I. 1795 zuweisen zu dürfen. — Eine ähnliche Bemerkung über die Thätigkeit der Juden, Zahme Xenien. Nr. 420 e6. v. Loeper.