Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 340 (sequence 20)
- Language
- German
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340 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. sie deutet eben die Ablehnung der Göttlichkeit Christi durch die Juden an und das traurige Schicksal, das denselben in Folge dessen bereitet wurde. Die andere heißt: Du fühlst nicht, wie es mir durch Mark und Seele geht, Wenn ein geängstet Herz bei mir um Rettung fleht. Wenn ich den Sünder seh mit glühenden . . . ^) und soll den Gegensatz der christlichen Milde zu der angeblichen Grausamkeit und Hartherzigkeit der jüdischen Religion ausdrücken. Von dieser Jugenddichtung bis zu ferneren Erwähnungen von Juden in Goethes Werken ist ein weiter Schritt. Nimmt man die Nennung eines Weimarischen Juden aus (vgl. oben S. 325), so findet man erst in der Neubearbeitung des „Jahrmarktssestes von Plundersweilern" (1789) eine weitere Andeutung. In jenes „Jahrmarktsfest," eine geistreiche literarische Satire, die 1774 zuerst erschienen war, hatte Goethe zwei Scenen zwischen Ahasverus, dem König, nicht dem wandernden Schuster, und Haman, Mardochai und Esther eingefügt, welche an die Erzählung des Buches „Esther" anknüpfend, damalige Persönlichkeiten und Verhältnisse bespöttelten und durch satirische Ausfälle gegen das Christenthum und durch derbe Redewendungen überhaupt sich kennzeichnen. Diese beiden wesentlichen Merkmale fallen in der Umarbeitung fort; die kleine geistreiche Scene wird zu einer breiten, den Zusammenhang störenden Darstellung ausgeweitet; und Haman hat hier an verschiedenen Stellen eine halb ernste, halb närrische Schilderung der „Bedeutenden der Judenheit"-) zu geben, von denen einzelne hier folgen mögen: Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr. Er weiß mit leichter Müh und ohne viel zu wagen, Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen . . . . . . finden sie durch Geld den Schlüssel aller Herzen, Und kein Geheimniß ist vor ihnen wohl verwahrt. Mit jedem handeln sie nach einer eignen Art, Sie wissen jedermann durch Borg und Tausch zu fassen; Der kommt nie los, der sich nur einmal eingelassen .... Es ist ein jeglicher in Deinem ganzen Land Auf ein' und andre Art mit Israel verwandt. Goethes Gedichte erläutert, 2. Aufl. Stuttg. 1869, gibt keine Erklärung unserer Stelle; M. Ehrlichs Bemerkung, Goethes Gedichte, Berlin 1881, S. 382 nähert sich meiner Erklärung. 2) Düntzer und einige Cotta'sche Ausgaben fügen „Thränen" hinzu. /) Worte Hehns vgl. oben S. 321 A. 1. Die hier mitgetheilten Stellen sind, wie einzelne der in Folgendem angeführten bereits von Hehn hervorgehoben. Die Vermuthuna., die Hehn daran geknüpft, daß Goethe durch Ephraims Besuch, vgl. oben S. 327 fg., veranlaßt, diese Schilderung entworfen, hat Manches für sich, doch macht die lange Zeit, die zwischen dem Besuch (1782) und der ersten Veröffentlichung unserer Stellen (1789) liegt, bedenklich; denn ein bestimmtes Zeugniß, daß sie etwa früher gearbeitet wurden, besitzen wir nicht.