Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 337 (sequence 17)
- Language
- German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 337 Du gewiß kennst." ^) Eine Abhandlung Bendavids, die freilich damals schon ein Menschenalter hinter sich hatte, kannte Goethe gewiß, nämlich die „über griechische und gothische Baukunst," die in den Hören 1795, St. 8 abgedruckt gewesen war. Schiller hatte (20. Juli 1795) Goethe von dem Aufsatze gesprochen, „die Zweckmäßigkeit und Neuheit des Gegenstandes," auch „manchen sinnreichen Einfall" gerühmt, aber „den ziemlich vernachlässigten Stil" und das „viele Unbedeutende" getadelt.Eine genauere Würdigung des originellen Philosophen, den Heine einen „Weisen nach antikem Zuschnitt, umflossen vom Sonnenlicht griechischer Heiterkeit, ein Standbild der wahrsten Tugend und pflichtgehärtet wie der Marmor des kategorischen Imperativs seines Meisters Kant" genannt hat, versuchte Goethe nicht; die Kreise, in denen Jener lebte, standen ihm zu fern; die unbedingte Anhänglichkeit Jenes für Kant war ihm fremd. Etwas mehr Sympathie hatte er für Maimon, obwol auch dieser Kantianer war, für diesen wilden Autodidakten, den etwas ungeschlachten Stürmer und Dränger, der ihn in Manchem an Stimmungen und Schicksale der eigenen Jugendzeit erinnern mochte. Maimon war in den Weimarer Kreisen bekannt. Schiller rühmt eine seiner Schriften und Körner secundirt, indem er ihn als einen „Mann von vorzüglichen philosophischen Talenten" bezeichnet; er wurde zur Mitarbeit an den Hören aufgefordert; eine, wie es scheint, sehr übelwollende Besprechung derselben in den „Annalen" wurde ihm mit Unrecht zugeschrieben.^) Schiller empfiehlt Goethe eine „lesenswerthe" Abhandlung Maimons über den Schönheitsbegriff und Goethe übersendet an Schiller einen Brief Maimons nebst einem Aufsatze desselben mit der Mahnung: „geben Sie ihn nicht aus der Hand." ^) In wie hohem Grade sich Goethe für Maimon interessirte, geht aus manchen Bemerkungen des schon erwähnten David Veit hervor, besonders aber aus der von diesem ^) berichteten Aeußerung Goethes: „Man sollte doch billig Herrn Maimon in der Litteratur-Zeitung rezensiren; wenn ein Mann so erstaunend viel thut, ists doch auch recht, daß man von ihm spricht." III. Nirgends in seinen Werken hat Goethe ausführlich einen Juden geschildert. Der von ihm angedeutete Plan/) in „Wilhelm Meister" einen 1) Goethe-Zelterscher Briefw. Bd. V, 192. 194. 199. 202. Vgl. auch Strehlke, Goethes Br. II, 488 (Nachträge). 2) Goethe-Schiller eä. Vollmer I, 63 Nr. 80. Die vielen Stellen im Schiller- Cottaschen Briesw. Stuttg. 1876, in denen Bend, genannt wird, beziehen sich nur auf diesen Aufs., bemerkenswert^ ist nur S. 58, wo Erhard in einem Briefe an Schiller (25. Jan. 1795) auf seine Recension einer Schrift Bendavids aufmerksam macht, in der er Kant gegen diesen Philosophen vertheidigt habe. 2) Vgl. Briefw. Schiller-Körner sä. Goedeke I, 2. Aufl. Leipz. 1874 H, 77.101 (1793 und 1794) Briefw. zw. Schiller u. W. v. Humboldt, 2. Ausg. Stuttg. 1876, S. 247 (aus d. I. 1795). 4) Schiller-Goethescher Briefw. 4. Aufl. Nr. 11. 22, S. 13. 22 (aus d. 1.1794). Weder der Brief Maimons an Goethe, noch Briefe Goethes an Maimon sind bisher bekannt geworden. 5) Briesw. zw. Rahel und David Veit I S. 254. «) vgl. oben S. 327.