Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 16)
- Language
- German
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336 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Schrift gegen Jacobi erlassen: „An die Freunde Lessings, ein Anhang zu Herrn Jacobis Briefwechsel über die Lehre des Spinoza." Auch mit dieser Schrift war Goethe nicht einverstanden, obwol er einzelne Stellen „sehr brav" fand. Er schickte sie an Frau v. Steins mit den Worten: „Ich wünsche, daß Du glücklicher mit des Juden Testament sehn mögest als ich, denn ich habe es nicht auslesen können." „Des Juden Testament." Denn Mendelssohn war gestorben, ohne die Publikation seiner Schrift zu erleben. Spottverse gegen den Todten kamen Goethe zu; er schickt sie der Freundin 2) und sagt mitleidig: „Kann doch nicht einmal ein armer Jude ohne geneckt zu werden, aus der Welt gehn." Diese Stimmung, in der ein gewisses Mitgefühl für den Verstorbenen nicht zu verkennen ist, blieb bestehn. Als Goethe in seiner Lebensgeschichte den Streit über Spinoza erwähnte, schloß er die Betrachtung mit den Worten: „Der Riß war so gewaltsam, daß wir darüber bei eintretenden Zufälligkeiten einen unserer würdigsten Männer Mendelssohn verloren." ^) Was Goethe Moses Mendelssohn nicht hatte gewähren können: persönliche, herzliche Antheilnahme, das schenkte er seinen Nachkommen. Durch Zelter empfohlen, kamen Söhne, Schwiegertöchter, Enkel des Berliner Weltweisen nach Weimar ^) und wurden freundlich empfangen; einer derselben, der schon erwähnte Felix Mendelssohn-Bartholdy, stand Goethes Herzen sehr nahe. Zwei anderen jüdischen Schriftstellern schenkte Goethe gleichfalls seine Aufmerksamkeit: Salomon Maimon und Lazarus Bendavid.^) Die Beziehung mit Letzterm vermittelte Zelter (1829), Bendavid interessirte sich für die Farbenlehre, schrieb Zelter ein Blättchen darüber, das dieser an Goethe schickte. Goethe antwortete, ging aber nur auf die Sache, nicht aus die Person ein, obwol Zelter den Bendavid gerühmt und bei Erwähnung seines Namens gesagt hatte: „dessen Schriften t) Briefe sä.Fielitzll, 212, 20. Febr. 1786. Ähnlich an Herder: Aus Herders Nachl. I, S. 88 Nr. 46, vgl. jedoch das. Nr. 45. 2) An Frau v. Stein II, 312, die Verse sind mitgetheilt das. S. 615. D. u. W. 15. Buch, a. a. O. XXII, S. 183. Ähnlich in dem Briefe an Zelter 11. Mai 1830, Briefw. Vgl. über Abraham Mendelssohn, Goethe-Zelter HI, 233. 242; über die Frau von Joseph Mendelssohn das. 397 u. a. m.; über Felix Mendelssohn-Bartholdy vgl. oben S. 329 fg. y Vgl. über Beide m. Gesch. d. Juden in Berlin I, 94—96 und II, S. 139 und die daselbst angegebene Literatur; ferner Mg. d. Biogr. III, 318-320, XX, 107 fg. Über Bendavid finde ich in meinen Exzerpten aus den Akten des Geh. Staats- oder Ministerialarchivs Folgendes, das ich, wegen seiner eigenartigen Bedeutung für die Geschichte der Juden, an dieser Stelle mittheile. Friedrich Wilhelm II. erläßt 1. Dez. 1796 folgende Cabinetsordre an den Minister Goldbeck: „Ich habe. . ersehen, daß sich der Sohn eines dortigen Schutzjuden, namens LsnäaviÄ, zur Ansehung bey der Justiz gemeldet hat. Es ist mir nun zwar lieb, daß sich talentvolle Männer aus dieser Nation Kenntnisse erwerben, wodurch sie auf mehrere Weise nützlich werden können. Es wird solchen aber auch nicht an Gelegenheit fehlen, solche anzuwenden, ohne bey der Justiz angestellt zu werden, zumal da Ich aus guten Gründen dafür nicht bin. Ich verbleibe ..." Unmittelbar nach dem Regierungsantritt des neuen Königs (16. Nov. 1797) muß Bendavid neue Anstrengungen gemacht haben. Aber auch diesmal ohne Erfolg. Vom 28. Nov. 1797 gibt es eine neue C. O., die das Gesuch gänzlich abschlägt, „da ein erstes Exempel dieser Art einen großen Zulauf veranlassen würde." Vgl. Er. curs 6.