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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 331

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 331 (sequence 11)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 331 Bei drei Vorgängen aber ergreist Goethe freiwillig oder durch Andere aufgefordert das Wort und jede seiner Aeußerungen ist characteristisch genug. Der eine Vorgang gehört dem Jahre 1779 an. Der Berliner Verleger Himburg — übrigens kein Jude — hatte, ohne durch den Autor berechtigt zu sein, eine Ausgabe Goethescher Schriften veranstaltet, in welche er eilig und gierig Alles zusammenpackte, was unter Goethes Namen ging und das Zusammengeraffte in recht fragwürdiger Gestalt erscheinen ließ. Goethe erzählt dies und fügt hinzu:') „Mit großer Frechheit wußte sich dieser unberufene Verleger eines solchen dem Publikum erzeigten Dienstes gegen mich zu rühmen und erbot sich, mir dagegen wenn ich es verlangte, etwas Berliner Porzellan zu senden. Bei dieser Gelegenheit mußte mir einfallen, daß die Berliner Juden, wenn sie sich verheiratheten, eine gewisse Menge Porzellan zu nehmen verpflichtet waren, damit die königliche Fabrik einen sichern Absatz hätte. Die Verachtung, welche daraus gegen den unverschämten Nachdrucker entstand, ließ mich den Verdruß übertragen, den ich bei diesem Raub empfinden mußte." Näher ging die Juden der zweite Vorgang an. Es handelt sich um die Neuordnung der Angelegenheiten der Frankfurter Judenschast und dabei um das Zeugniß der Bettina Brentano. Wie weit dieses Zeugniß zuverlässig ist, will ich hier nicht untersuchen; ich schließe mich der Ansicht derer an, welche den „Briefwechsel mit einem Kinde" als ein von der Herausgeberin nach wirklichen Dokumenten in bestem Glauben zurechtgemachtes Werk betrachten. Eine nähere Untersuchung ist schon aus dem Grunde hier überflüssig, weil wenigstens Goethes Briefe, aus die es hier in erster Linie ankommt, glücklicherweise im Original erhalten sind. Karl v. Dalberg, von Napoleons Gnaden Großherzog von Frankfurt, hatte im Jahre 1807, 30. Nov. eine neue Stättigkeits- und Schutzordnung für die Juden erlassen, in welcher die alte Ordnung des I. 1616 als „dem Zeitgeiste und dem dermaligen Standpunkte der jüdischen Nation nicht mehr anpassend" aufgehoben, Erleichterungen in Beziehung auf Abgaben und Beschäftigung gegeben, besonders aber einzelne Forderungen der Aufklärungsüber den Namen Mephistopheles (15. Nov. 1829), worauf dann Goethe ausführlich eingeht (V, 330 fg.) Eine größere Stelle Zelters zur Characteristik Friedländers wird in anderm Zusammenhange mitgetheilt. Damit aber dieser Excnrs eine gewisse Vollständigkeit gewinne, möge hier eine andere Aeußerung Zelters ihren Platz finden. Bei Übersendung einer Medaille schreibt Zelter Folgendes (V, 171 fg. 31. Jan. 1829): „In der Schachtel selbst wirst Du beim Auspacken auch die Zueignung des Gebers an Dich finden. Willst Du ihm darüber ein gutes Wort gönnen, so hast Du vielleicht noch einmal dergleichen zu hoffen; er ist ein guter Mann in Deinem Alter, den ich oft sehe weil er mir nahe wohnt und am Podagra leidet, und wird oft von Dir gesprochen. Er ist ein Schüler von M. Mendelssohn und hat bei hohem Alter ein Gedächrniß seiner Zeit und der meinigen, wodurch ich immer zu berichtigen und zurechtzustellen finde. Dabey gilt er für einen gelehrten Ebrä'er von freisinnigen Ansichten über sein heilloses Geschlecht; hat Freuden an vielen Kindern und Enkeln und braucht keiner Sorge." Zu einer der letzten Bemerkungen dieser Characteristik vgl. besonders die von mir veröffentlichten Briefe Friedlaenders, oben S. 258 ff. Vgl. Excurs 5. D. u. W. 16. Buch a. a. O. IV, S. 10. 22^

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