Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259318-2263433--0378-2263489- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
330 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. seine Erquickung gewesen. Goethe aber, der für Felix' Schwester Fanny, „das liebe Kind," freundliche Verse gedichtet hatte, sagte zu dem jugendlichen Freunde: „Ich bin Sau! und Du bist mein David, wenn ich traurig und trübe bin, so komme Du zu mir und erheitere mich durch Dein Saitenspiel." Und der Mutter, welche die erste Weimarer Reise ihres Sohnes als einen unendlichen Vorzug betrachtete und ihn glücklich pries, daß er „unter Goethes Dache wohnen und den Segen des großen Mannes erwerben" könne, welche den Knaben ermahnt hatte: „Schnappe nur jedes Wort von Goethe aus, alles will ich von ihm wissen," dieser Mutter, welche Felix auf seinem zweiten Weimarer Ausflug begleitete, sagte Goethe: „Es ist ein himmlischer kostbarer Knabe, schicken Sie mir ihn recht bald wieder, damit ich mich an ihm erquicke." In Paris hatte Felix die Nachricht von Goethes Tod gehört. Er schrieb darüber an seine Eltern: „Goethes Verlust ist eine Nachricht, die Einen wieder so arm macht! Wie anders sieht das . Land aus. Es ist eine von den Botschaften, die mir nun beim Namen Paris immer einfallen werden, und deren Eindruck mir durch alle Freundlichkeit, alles Sausen und Brausen und das ganze sonstige Leben hier nicht verlöschen wird." II. Gar manche Weimaraner der Goetheschen Zeit hielten Alles von sich fern, was nicht in ihr Haus seinen Eingang sich erzwang; Goethe dagegen hielt sein Auge auch den auswärtigen Verhältnissen offen. Indessen kann man nicht sagen, daß die Aufklärungs- und Emancipationsbestrebungen der Juden, mochten sie nun von ihnen selbst oder von philantropisch gesinnten Christen, Publicisten und Regenten ausgehen, eine sonderlich teilnahmsvolle und wohlwollende Behandlung bei ihm fanden. Ich sehe nicht, daß er das Toleranzedikt Joseph II. freudig begrüßt oder dem Berliner Reformwerk seine Zustimmung geschenkt hätte. Wenn er einem Hauptmirarbeiter an demselben, David Friedlaender, freundliche Worte spendet, so findet er Veranlassung zu denselben nicht etwa in dessen ausgebreiteter Thätigkeit für Reform und Aufklärung der Juden, sondern in dessen Interesse für Kunstgegenstände früherer Zeiten, welche Goethe zu überlassen dem Berliner Kaufmann eine Ehre war.!) ^) Zelter übernimmt die Vermittlung, er characterisirt seinen Freund mit den Worten „ein braver Jude." Schon 1808 sendet er ein Blatt Friedlaenders (Goethe- Zelter, Briefwechsel I, 356). Goethe sendet ihm einige Autographa. I, 427. Ein in Fr.'s Besitz befindlicher eherner Stier reizt Goethes Sammellust, er giebt Doubletten seiner Medaillensammlung dafür (I, 432.439) und läßt sich über den Stier und über Anderes in einem freundschaftlichen Briefe an Fr. aus (8. März 1811,1,442 -445). Ein neues Anerbieten Fr. macht Goethe Freude, (1,450); es kommt zu einem neuen Tausch (IV, 55.58.65, an den beiden letzteren Stellen, 15. u. 24. Jan., werden zwei Briese Goethes an Friedländer erwähnt, die bisher nicht bekannt geworden sind). Seine Münzensammlungen werden IV, 360, V 171 registrirt; als Münzkenner wird er noch mehrmals erwähnt VI, 112, 114. Der Goethe-Zeltersche Briefwechsel enthält auch .sonstige Mittheilungen Friedlaenders, z. B. IV, 261—263 (1827) Notizen über Luthers Bibelübersetzung mit einer Antwort Zelters; V, 3247—326 eine Auseinandersetzung