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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 329

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 329 (sequence 9)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 329 Der dritte Besucher, bei dem eine Namensnennung genügt, um seine Bedeutung Allen ins Gedächtniß zurückzurufen, ist Felix Mendelssohn Barthold h.') Nicht der geniale Componist beschäftigt uns hier, sondern der bildschöne, frühreife zwölfjährige Knabe, der von Zelter geführt 1821 nach Weimar kam. Goethe kam dem Knaben mit all der ermuthigenden Zärtlichkeit entgegen, deren er sähig war, die nichts von seiner gelegentlich hervortretenden würdevollen, ministeriellen Steifheit verrieth; Felix wurde ein Liebling des Goetheschen Hauses, das vergötterte Schooßkind der Weimarer Damen. Er aber bewahrte sich selbst Goethe gegenüber seine kindliche Unbefangenheit und wußte gegen dessen Umgebung seine critische Objectivität zu brauchen. Goethe prüfte ihn streng, er gab ihm hinter einander Aufgaben, eine schwieriger als die andere, er freute sich scheinbar der Mißerfolge des Knaben, und war doch im Herzen froh über die Meisterschaft, mit welcher derselbe Mozart und Beethoven spielte und verstand, mit der er musikalische Gedanken selbständig zu äußern vermochte. Er traute dem kleinen Künstler Großes zu, zumal da dieser sich unter einer so sichern, zielbewußten Leitung wie der Zetters befand. Er wünschte ihn, wie er es in einem Albumblatt schrieb (20. Jan. 1822) mit allen Anderen zurück. Felix kam im Herbst 1822 zum zweiten Male und fand dieselbe freundliche Aufnahme des Meisters; er kam 1824 wieder, nachdem er in Paris deutsche Musik zu Ehren gebracht und Goethesche Anregungen treu bewahrt hatte. Noch einmal erschien er 1830, nachdem in der Zwischenzeit der treue Zelter den Meister stets aufs Genaueste über den Entwickelungsgang des Schülers unterrichtet hatte; er wurde von dem Greis wie ein Gleichstehender ausgenommen und zum Lohne für die künstlerischen Genüsse, die er ihm verschaffte, mit Gesprächen bedacht, „die man in seinem Leben nicht vergessen kann." Der Eindruck, welchen der frische, enthusiastische und enthusiasmirende Jüngling auf die Mitglieder des Goetheschen Kreises machte, geht nicht hervor aus den etwas frostigen Zeilen, die der Meister dem jungen Künstler spendete und auch nicht aus desselben etwas altvaterisch-gönnerhaftem Berichte an Zelter, sondern aus folgenden Zeilen Ottiliens, der Schwiegertochter deS Dichters, welche die ganze Innigkeit des Zusammenlebens verrathen: „Es geht uns wie Leuten, die nicht wissen, wie sie eine Lücke ausfüllen wollen, die wie Mhrrha singen „ich möchte gerne spielen, nur weiß ich selbst nicht was," die wie Schuljungen von Ferien und Feiertagen zurückkommen und Alles übermäßig langweilig finden." Denn die Schreiberin beeifert sich hinzuzusetzen, daß „sie mit diesen Schilderungen den Papa immer mit meine." Von seinen Reisen schrieb Felix Berichte verschiedenartigen Inhalts an Goethe, wie der Meister sie liebte, der mit seinem Geiste die ganze Welt umspannte; er blieb in fernen Landen den Anregungen treu, die er in der Heimat empfangen, bewahrte und festigte seine gemüthlichen Beziehungen, die dort i) Vgl. sür das Folgende: Goethe und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Bon vr. K. Mendelssohn-Bartholdy Leipzig 1871. Auch das anmuthige Buch S. Hensels» eine Zierde unserer modernen Brief- und Memoiren-Literatur: ..Die Familie Mendelssöhn 1729—1847. Nach Briefen und Tagebüchern," zuerst erschienen in 3 Bänden, Berlin 1878 bringt einzelne neue Beiträge zu unserm Thema. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. 22

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