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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 327

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 327 (sequence 7)
Language
German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 327 Frau von Grotthus gerichtet; sie überdauern den Tod der erstern (1814) nur wenig; aus den II. 1815 und 1824 ist nur je ein Brief vorhanden. Diese Briefe sind theilweise hervorgerufen durch Sendungen der Schwestern, für deren Wohlgeschmack sich Goethe bedankt, theils sind sie liebenswürdige, nicht eben viel besagende Plaudereien, theils enthalten sie literarische Betrachtungen. Goethe fällt Urtheile über Werke Anderer, die ihm durch Vermittelung seiner Correspondentinnen zugegangen sind, er giebt ausführliche, geistvolle Berichte über seine Lectüre, er spricht sich wohlwollend über die literarischen Versuche der einen der Schwestern aus, er erbittet Urtheile über seine Schriften, von denen er einzelne übersendet, noch bevor sie öffentlich ausgegeben worden sind und verbreitet sich über die Tendenz seines eigenen Wirkens. Nirgends findet sich in seinen Briefen eine Spur von confessionellem Gegensatz, nirgends eine Ueberhebung des Dichters und Mannes gegenüber dilettirenden Frauen; der große Mann stellt sich den Frauen gleich und redet zu ihnen, wie er fühlt, als Freund. „Daß Sie mir," so heißt es einmal, „theuerste Freundin, nach so langer Zeit endlich wieder ein liebevolles Andenken geschenkt, war mir von großem Werth und fühle mich verpflichtet, Sie mit den wenigsten Worten von meiner dauernden Gesinnung zu überzeugen." Und ein anderes Mal: „Erhalten Sie mir Ihren Antheil an meinem Dasein, das sich wieder befestigt und an meinen Productionen, durch die ich am Eigentlichsten mit der Welt zusammenhänge." Unter den jüdischen Besuchern wird einer von Goethe erwähnt, zwei Andere, aus deren Briefen wir über ihre Besuche unterrichtet werden, verdienen eine kurze Besprechung. Der Eine ist Ephraim. Von ihm schreibt Goethe an Frau von Stein, 28. Okt. 1782 2): „Meiner Lieben einen guten Morgen zu sagen, hat mich allerlei, zuletzt der Jude Ephraim abgehalten. Bon ihm zu erzählen wird mir ein Spaß sein. Bald habe ich das Bedeutende der Judenheit zusammen und habe große Lust in meinem Romane auch einen Juden anzubringen." Die Herausgeber der Goetheschen Briefe, die sonst in ihren Anmerkungen so verschwenderisch sind, schweigen an dieser Stelle. 2) Der Roman, an welchem Goethe damals arbeitete, ist „Wilhelm Meister;" fammenflnß von Goetheverehrern und -Verehrerinnen in dem böhmischen Bade war damals so groß — Goethe spricht (Annalen 1795, Werke, Hempel XXVII, 26) von „der auf gar vielfache Weise mich berührenden großen Masse von Menschen" — daß man eine so allgemeine Stelle nicht ohne Weiteres auf eine Einzelne beziehen darf. Zudem verräth das hier berichtete eine literarische Unbildung, die ich M. M., nach dem, was wir sonst von ihr wissen, nicht zutrauen möchte. ') Eine Stelle, die im G.I. Bd.VIII, S. 79 (Ostern 1887) mitgetheitt ist, verdient wol hier ihren Platz. Caroline, die Gattin Wilhelms v. Humboldt schreibt an Goethe, 22. Jan. 1812: „Unsere gemeinschaftliche Freundin, die Frau v. Eibenberg nähert sich langsam und unter vielen vielen Leiden ihrer Auflösung. Ihre Schwester ist bei ihr und pflegt und wartet sie mit rührender Liebe und Sorgsamkeit." 2) Briefe eS. Fielitz I, 85. 2) Auch in der Allg. d. Biogr. sucht man den Namen vergebens. — Düntzer in seinem langathmigen Werke: Charlotte v. Stein, 2 Bände, Stuttg. 1874 erwähnt, unsere Stelle gleichfalls nicht.

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