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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 326

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. Auf seinen Reisen wurde Goethe auf einzelnes Jüdische aufmerksam und notirte es in seinen Tagebüchern. Weniges ist in seine gedruckten Reisebeschreibungen und sonstigen Aufzeichnungen übergegangen. Gelegentlich wird einmal eine jüdische Inschrift erwähnt, eine alte Synagoge betrachtet, aber nicht einmal in Rom wird das Ghetto ausführlich beschrieben. Manche Personen hatten sich des Zuspruchs Goethes zu erfreuen. Besonders in den böhmischen Bädern wurde er mit einzelnen reicheren Juden bekannt. Zu diesen gehört u. A. der Bankier Simon Edler von Lämmel. Er traf mit Goethe öfter in Carlsbad zusammen, machte ihm eine Sendung von rothem Melniker Wein, erbat und erhielt für denselben ein — ziemlich nichtssagendes — Autograph.^) Unter diesen Badebekanntschaften sind nur zwei, welche das flüchtige Zusammentreffen überdauerten; es sind die mit Marianne und Sarah Meyer, den Töchtern eines reichen Berliner Kaufmanns, von denen die Erstere als Frau von Ehbenberg, die Letztere als Frau von Grotthus bekannt geworden ist.2) Die Erstere nahm diesen Namen an, um den Verwandten ihres hochgeborenen Gatten, des Fürsten Heinrich XIII von Reuß gefällig zu sein, die Letztere war an einen livländischen Baron verheirathet, gerieth aber später in sehr ärmliche Verhältnisse. Beide Frauen gehörten zu der großen Zahl schöner, reicher, geistig angeregter Jüdinnen, die in der Berliner und Wiener Gesellschaft eine hervorragende Rolle spielten und, nach ihrem Uebergang zum Christenthum, mit den vornehmsten Familien in nächste Berührung traten. Goethes Bekanntschast mit beiden Frauen mag durch den Gatten der Erstern vermittelt worden sein, den Goethe während der „Campagne in Frankreich" häufig sah (1792) und später (1809) nochmals traf. 2) Die Briefe Goethes an die Schwestern beginnen 1799, sie sind besonders zahlreich in den Jahren 1808—10, 1810—14, im ersten Abschnitt an Frau von Ehbenberg/) im zweiten an t) Strehlke, Goethes Briefe II, 509: es ist wol dieselbe Quittung, die G. I.IV, 446 erwähnt wird. 2) 10 Briefe Goethes an Frau v. Eybenberg sind zuerst von L. A. Frankl in den Wiener Sonntagsblättern 1846, 1 im G. I. Bd. II; 25 Briefe an Frau v. Grotthus in Barnhagens Denkwürdigkeiten (Mannb. 1838) Bd. IV, in den Grenzboten 1846 Nr. 25 (Bd. II, S. 497 ff.), 4 im G. I. Bd. VH, S. 183 ff. gedruckt. Vgl. auch die Zusammenstellung bei Strehlke Bd. I, S. 174 fg. 226 ff. 3) Vgl. Goethes Werke, Hempelsche Ausg. Bd. 25, S. 34.49.185. Bd. 27, S. 157. ») Goethe sah sie 1795 in Carlsbad, 1797 in Weimar. Bon letzterm Orte aus schreibt er an Schiller (26. Juli 1797): „Auch ist die berühmte Marianne Meyer hier; es ist schade, daß sie nicht einige Tage früher kam, ich hätte doch gewünscht, daß Sie dieses sonderbare Wesen hätten kennen lernen." Vollmer bezieht in seinem Register zur 4. Ausg. des Goethe-Schillerschen Briefw. Stutt. 1881, auf Marianne Meyer auch folgende Stelle Goethes (Carlsbad, 8. Juli 1795): „Als berühmter Schriftsteller bin ich übrigens recht gut aufgenommen worden, wobei es doch nicht an Demüthigungen gefehlt hat. Z. B. sagte mir ein allerliebstes Weibchen: sie habe meine letzten Schriften mit dem größten Vergnügen gelesen, besonders habe sie Giaffar der Barmecide über alle Maßen interessirt. Sie können denken, daß ich mit der größten Bescheidenheit mich in Freund Klingers hinterlaßne arabische Garderobe einhüllte, und so meiner Gönnerin in dem vortheilhaftesten Lichte erschien. Und ich darf nicht fürchten, daß sie in diesen drei Wochen aus ihrem Irrthum gerissen wird.- Doch weiß ich nicht, worauf er seine Angabe stützt. M. M. war allerdings damals in Carlsbad und wurde mit Goethe bekannt, aber der Zu-

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