Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. 325 selben Zeit stammende „Brief eines Pastors" beschäftigt sich mit allgemein theologischen Dingen und ist höchstens deshalb hier zu erwähnen, weil auch in ihm die Lectüre und Hochhaltung der Bibel empfohlen wird. Während in Frankfurt der Knabe Anlaß genug hatte, Juden zu sehen und jüdisches Wesen zu beobachten, suchte oder fand er im sp'ätern Leben sellen solche Gelegenheit. Selbst Leipzig und Straßburg trotz des Zuflusses von Juden im Meßgetriebe der erstern Stadt und trotz der zahlreichen Mischen Bevölkerung der letztern gewährten kaum eine Bereicherung der gewonnenen Kenntniß. In den Dokumenten jener Zeit findet sich nur je einmal aus Straßburg und aus Leipzig das Wort „Jude" gebraucht, aber nicht derart, daß man n'öthig hat, persönliche Erlebnisse oder Erfahrungen zu Grunde zu legend) Vollends in Weimar war es kaum möglich, Beziehungen zu Juden zu unterhalten. In der Stadt, in der Goethe die 57 Jahre seines Mannes- und Greisenalters zubrachte, lebten nur sehr wenig Juden. Der Einzige, mit dem Goethe eine Art von Verbindung unterhielt, war Elkan. In Goethes Gedicht: „Auf Miedings Tod," verfaßt zur Erinnerung an den Theatermeister, der sich um das Weimarische Schauspielwesen große Verdienste erworben hatte, werden hintereinander der herzogliche Kammerdiener, der Hofschneider in ihrer raschen, sroherregten Thätigkeit vorgeführt: dann folgen die Verse: Der Jude Elkan läuft mit manchem Rest Und diese Gährung deutet auf ein Fest. In den neueren Ausgabenseit 1826, liest man statt dessen: „Der thätige Jude." Aus dem Handelsmann Elkan, der vielleicht in Weimar eine ähnliche Stelle eingenommen, wie die Hofjuden anderwärts und der damals als Trödler manche Theaterrequisiten geliefert hatte, war ein geachteter wohlsituirter Kaufmann, Banquier geworden, mit dem Goethe feHst in Verbindung stand; s) — mit Rücksicht aus diese Veränderung wurde auf ausdrückliche Bitte des Trägers dieses Namens der Name unterdrückt. Wenn Goethe in den letzten Jahrzehnten seines Lebens Juden kennen lernte, so waren es nicht Weimaraner, sondern Fremde, die ihm aus seinen vielen und weiten Reisen begegneten, oder die das stille Haus am Frauenplan in Weimar aufsuchten. 1) In den Leipziger Briefen theilt Goethe seinem Freunde Behrisch mit (14. Okt. 1767, G. I. VII, 105), er wolle ihm sein Clavier billigst ablassen und fährt fort: „Unsere Bäter denken anders. Sie lassen sich für die Sprichwörter todtschlagen: Handel leidet keine Freundschaft. Das dumme Ding hat gewiß ein Makler erfunden oder ein Jude erfunden." — In den zu Straßburg aufgezeichneten Ephemeriden (hgg. von E. Martin, Heilbronn 1883, Deutsche Literaturdenkmale H. 14) heißt es S. 26, 33: „Traumgespräch mit einem Juden über die Autorschaft." Der Herausgeber scheint (vgl. S. XV) diese Notiz als besonder« poetischen Vlan zn betrachten; mir kommt vor, als wenn dieselbe, ebenso wie die drei unmittelbar vorhergehenden, Auszug aus einem von Goethe damals gelesenen (englischen?) Roman wäre, den ich freilich nicht nachweisen kann. Eine Begründung dieser Vermuthung geHort jedoch nicht an diesen Ort. 2) Werke, Hempel, 2. Bearbeitung II, 88 und v. Loepers Anmerkungen S. 357 und 359. ») vgl. ExcurS 2.