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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 324

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
Seite 324 (sequence 4)
Language
German
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324 Ludwig Geiger, Die Juden und die deutsche Literatur. hatte er für die in seines Vaters Hause, aber im Auftrage des K'önigslieutenants Thorene thätigen Maler einen Aufsatz geschrieben, der als Grundlage für zwei die Geschichte Josephs darstellenden Bilder gelten sollte, l) Vor Kurzem aber erfuhr man, daß der Joseph-Stoff nicht der einzige alttestamentliche blieb, welcher den Knaben und den angehenden Jüngling zu dichterischer Nachbildung anreizte. Da die Stelle 2) zur Charakteristtt der Werke und des genialen Knaben bedeutsam genug ist, mag sie hier wörtlich und buchstäblich getreu folgen: „Belsazer, Isabel, Ruth, Selima:c. haben ihre Jugendsünden nicht anders als durchs Feuer büsen können. Dahin den auch Joseph wegen der vielen Gebete die er Zeitlebens getahn hat verdammt worden ist. Ich war lange willens ihn aufs Wahsenhaus an Bogatzhen^) zu schencken, der hätte ihn herausgeben können. Es ist ein erbauliches Buch, und der Joseph hat nichts zu tuhn als zu beten. Wir haben hier manchmal über die Einfalt des Kindes gelacht das so ein frommes Werk schreiben konnte. Doch ich darf nicht viel von Kind reden, es ist noch nicht vier Jahre daß er zur Welt kam." Ueber die Eigenthümlichkeit dieser Werke wissen wir nichts Bestimmtes; nach Analogie des erstgenannten möchte man schließen, daß es Dramen waren. Von dem ersten ist eine kleine Stelle bekannt/) die uns indessen weder auf Inhalt noch Eigenart des Werkes einen Rückschluß erlaubt. Außer diesen dichterischen Arbeiten veranlaßte die Hinneigung zum Alten Testament in der Jugendzeit eine kleine theologische Arbeit und noch im Alter einzelne biblische Aufsätze. Einer der letzteren, eine Betrachtung der biblischen Anfänge, ein Abriß der Geschichte der Erzväter ist in die Erzählung der Frankfurter Jugendzeit an ziemlich unrechtem Orte eingereiht 5); ein anderer, 1797 verfaßt, durch F. A. Wolfs critische Homerstudien hervorgerufen, „Israel in der Wüste" ist, eingeleitet durch eine kurze Vorbemerkung „Alttestamentliches" in die Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan aufgenommnn worden.Von den theologischen Arbeiten der Jugendzeit gehört ein Theil der 1773 erschienenen „Zwo wichtige bisher unerörterte biblische Fragen" in diesen Zusammenhang; die eine nämlich: „Was stand auf den Tafeln des Bundes," die in ziemlich untheologischer Art dahin beantwortet wird: nicht die 10 Gebote, sondern zehn Gesetze des israelitischen Jehovahbundes; bei der Beantwortung der andern handelt es sich um neutestamentliche Dinge. Auch der aus dert) A. a. O. S. 83. — Einzelne dieser Bilder haben sich erhalten. Nach einer Tradition, die mir Herr vr. Schubart in Dresden mittheilt, sind von einzelnen Malern die Züge des jungen Goethe bei der Darstellung Josephs benutzt worden. Für die Schreibung Thorenc statt des in den Goethe-Ausgaben üblichen Thorane vgl. die G. I. V, 406 fg. angeführten Schriften und Nachweise. 2) Zuerst gedruckt G. I. VII, 73. 3) Gemeint ist Bogatzky, Verfasser erbaulicher Schriften und Begründer von Waisenhäusern. 4) Vgl. G. I. VN, S. 11. 127. s) D. u. W. a. a. O. S. 120-130, dazu v. Loepers Anm. S. 327-333. «) Werke, Hempel V, 311--328. Vgl. v. Loepers Anmerkungen das. S. 312 und 328.

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