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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 319

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte der Juden in Österreich
Date
1887-01-01
Page
Seite 319 (sequence 11)
Language
German
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G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. 319 Commission bestand aus dem Unterburggrafen Rabenhaupt, einem Prälaten, einem kaiserlichen Richter und dem Primus von Pilsen). Nachdem man sie endlich entlassen hatte, trank David Fleischhacker als er in sein Haus kam ein Glas Wasser und starb daran, viele wurden bettlägerig. In Summa, heißt es, es ist kein solcher Schrecken und „Vertumbelung" während der ganzen Kriegszeit gewesen, sie hoffen aber, daß Gott alles zum guten lenken werde. Der Kaiser werde die Ueberzeugung gewinnen, daß die Anzahl der Juden in Prag eine kleine sei und daß sie die auferlegte Steuer nicht tragen können. Die eingesperrten Ältesten wendeten sich ebenfalls vom Kerker aus an den Kaiser. Sie baten, daß die allerhöchste Not und das klägliche Weinen und Schreien der Kleinen und der Großen zum Kaiser dringen möge und weisen darauf hin, daß sie eigentlich kaiserliches Kammer gut seien. Durch die außerordentlichen Steuern jedoch, welche ihnen die böhmische Kammer auferlegt, werden sie dahin gebracht dem Kaiser die Steuern nicht bezahlen zu können. Sie weisen ferner darauf hin, daß durch die stattgefundenen Vorgänge Handel und Wandel stocken und sie selbst dem äußersten Untergang entgegengehen und dadurch empfindlich die Staatsinteressen schädigen. Am 23. September am jüdischen Neujahrstage habe man die Synagogen gesperrt und sie von Musquettiren bewachen lassen und habe überdies verboten, daß die Leute an einem andern Orte gemeinschaftlich ihre Andacht verrichten, das „sonst sein Lebenlang nicht geschehen". Nun komme das allerhöchste Fest (der Versöhnungstag), „da wir notwendig beisammen beten müssen." Aber bei solcher Exemtion, da man uns in unserem Glauben und Ceremonien (gewiß gegen die Absicht des Kaisers) hindern wollte, „wird man uns nicht allein unsern äußersten Heller und noch übrige geringe Lebensmittel, sondern auch dergestalt das Hemd vom Leibe abreißen". Dieses Gesuch blieb ohne allen Erfolg. Am 2. November 1652 schritten sie nochmals beim Kaiser ein. Indem sie darauf hinwiesen, daß die Judengasse gesperrt sei und niemand hinausgehen dürfe, „daher wir nit allein in noch mehreren Ruin getrieben, sondern auch viel arme Leute aus unserer Gemeinde, wenn sie sich in der Stadt das notwendige Stück Brod doch mühselig nit erwerben können Hungersnot sterben und verderben müssen", bieten sie an wöchentlich fl. 500 zu zahlen. Nun wurde ihre Bitte gewährt. Die Jnhaftirten wurden befreit und die Absperrung erreichte ihr Ende. Nicht lange darauf wurde wiederum über die Ältesten geklagt. Im Jahre 1657 nämlich klagte Gerstel Märle und Abraham Lichtenstadt in Prag, daß die Ältesten bestechlich seien und daß daher eine Neuwahl stattfinden möge. Hierauf wurde angeordnet, daß die Ältesten auf drei Jahre gewählt werden sollen. Nach Ablauf dieser Periode sind sie jedoch nicht mehr wählbar. Zank und Streit hörten jedoch nicht auf. Im Jahre Z 670 wurden die Juden aus Wien und Niederösterreich vertrieben. Es ist uns nicht bekannt, wie man dieses Ereigniß in Prag aufnahm und wir glauben annehmen zu dürfen, daß man daselbst den Exulanten Theilnahme schenkte; aber die

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