Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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320 G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. Streitigkeiten nahmen nicht ab. Einerseits drängten sich viele Leute zu dem Vorsteheramte und andererseits wurde über die Altesten geklagt, daß sie in ungerechter Weise die Steuern bemaßen. Die Sache war auch für die Behörden und für den Kaiser nicht gleichgiltig, denn sie wurden unablässig mit Klagen behelligt und für sie stand die Steuerlast und die Steuerleistung in erster Linie. Kaiser Leopold I. richtete hierauf 22. Juli 1678 an die Kammer ein Schreiben, das folgenden Inhalt hat. Es sei erwiesen, daß man durch die Maßregeln, die man bisher getroffen, das Ziel nicht erreicht habe. Die verlangte Einigkeit der Prager Judenschast sei nicht vorhanden, noch haben die vielfachen Behelligungen, die der Kaiser wie die Behörden erfahren, sich vermindert. Es sollen daher von nun an nicht nur die Ältesten, Gemeinältesten und Beisitzer, sondern auch alle Diener drei Jahre ihr Amt behalten. Unterdessen aber, bis die Neuwahlen stattfinden, soll man beflissen sein, „damit die Prager Judenschast unter dem Scheine eines beschwerten Theiles in Schwung gehende Faction bei gewisser Strafe und zwar der Ausschaffung ohne einige Consideration der Person gänzlich zertrennt, abgethan und also daraus entstehende Uneinigkeit und Zankerei künstig unterbrochen und verhütet bleiben". Zugleich wurde angeordnet, daß diejenigen, die mit der Steuer im Rückstände sind, das active und passive Wahlrecht verlieren und diejenigen Restanten, die die Steuer abtragen, das Wahlrecht für die nächste Wahlperiode verloren haben. Das Mittel, die Malcontenten, die Streithähne und Schreihälse abzuschaffen, hätte allerdings dem Uebel radical abgeholfen und überhaupt jede Opposition unmöglich gemacht. Die Drohung mag auch im ersten Momente einen heilsamen Schrecken geübt haben, aber man konnte sich dieses Mittels doch auf die Dauer nicht bedienen. Es dauerte daher nicht lange und der Streit begann aufs Neue.